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Hypnose und andere veränderte Bewußtseinszustände
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In manchen wissenschaftlichen
Kreisen ist die Parapsychologie geradezu verrufen
- oft verbindet man sie mit betrügerischen
Medien, Spiritismus und ähnlichem. In einer
Zeit, wo Hypnose regelmäßig bei der Behandlung
von Fettleibigkeit, Rauchen und sogar in der Zahnmedizin
eingesetzt wird, sollten wir uns vielleicht in Erinnerung
rufen, dass auch die Hypnose in ihrem Anfangsstadium,
dem "Mesmerismus", in sehr schlechtem
Ruf stand. Franz Anton Mesmer, der im Jahr 1764
in Wien in Medizin graduierte, behauptete, dass
die Planeten der Menschen durch eine Art Magnetismus
beeinflussten.
Nachdem er versuchsweise Magneten zur Behandlung
von Patienten einsetzte, stellte er eine Kraft fest,
die er "animalischen Magnetismus" nannte;
Mesmer meinte, dass diese Kraft vom Nervensystem
des Arztes oder "Mesmeristen" ausginge
und über dessen Hände übertragen
werde. Die Nachfrage nach Mesmers eigenartiger Heilmethode
wuchs. Er wirkte sogar in Paris, wo die Menschen
mit allen nur erdenklichen Beschwerden zu ihm kamen.
Wie ein Magier gekleidet, hielt sich Mesmer im Hintergrund
des Raumes auf, während seine Patienten zu
leiser Musik mit dem baquet behandelt wurden, eine
Art hölzernem Waschzuber mit Eisenspäne
darin, die angeblich Mesmers heilenden Magnetismus
speichern sollten. Der Ärztestand war jedoch
keineswegs beeindruckt und erklärte, dass die
Heilungen, von denen Mesmer berichtete, und die
oft von Krämpfen begleitet waren, auf "Einbildung"
beruhten. Dessen ungeachtet führten Mesmers
Nachfolger sein Werk - auf etwas wissenschaftlichere
Art - weiter. In England wendeten John Elliotson
und James Braid Hypnose an, um Patienten vor der
Operation zu anästhetisieren.
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Vielleicht mehr Showman
als Arzt, doch seine als"Mesmerismus"
be-kannte Heilmethode machte immerhin als erste
die Kräfte des Geistes zunutze.
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Man würde wohl heute noch
voll Hochachtung von ihnen sprechen, wäre nicht
just zu jener Zeit das Chloroform aufgetaucht, das
die hypnotische Anästhetisierung überflüssig
machte. Das medizinische Establishment vertrieb
Elliotson von seiner Lehrstelle, und als bekannt
wurde, dass Braid mit hypnotischer Anästhesie
gelungene Amputationen von Gliedermaßen durchgeführt
hatte, behauptete man kurzerhand, dass seine Patienten
sich den Schmerz nur nicht anmerken ließen.
Mesmers ausgezeichneter Schüler de Puységur,
dem die Krampfanfälle und die Sensationsgier
rund um Mesmers Methode zuwider waren, stellte fest,
dass der Trancezustand, den der Mesmerist einleitete,
ein wichtiges therapeutisches Mittel zu sein schien.
In diesem Zustand, so sagte er, könne der magnetische
Einfluss auf das Nervensystem des Patienten wirken.
Nach und nach entwickelte sich so die Hypnose -
jene mit ruhiger Stimme gegebenen Aufforderungen,
sich zu entspannen, zu schlafen, sich fallen zu
lassen.
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Mesmers berühmter Holzzuber.
Ein zeitgenössischer Beobachter bemerkte dazu:
"Er[Mesmer] verwendete einen großen Zuber,
an dem kurze Stricke bzw. Eisenhaken angebracht
waren, die die Patienten an ihren schmerzenden Gliedern
befestigten
Die Magnetiseure - insgesamt etwa
100 in Mesmers Geheimnisse Eingeweihte - streichen
mit der Hand über die betroffenen Körperteile,
um auf diese Weise den "animalischen Magnetismus"
zu fördern.
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ASW und Hypnose
Obwohl heute kaum noch jemand an den Zusammenhang
zwischen Magnetismus und Hypnose glaubt, so ist
ein Detail davon auch für uns noch von Bedeutung.
Kontinentaleuropäische Hypnotiker sprachen
immer wieder von einer so genannten "Gemeinschaft
des Empfindens" zwischen dem Hypnotiseur und
dem Hypnotisierten.
Die "magnetische Kraft" , die zwischen
ihnen wirksam ist, schien paranormale Phänomene,
vor allem Telepathie, hervorzurufen.
Die hypnotisierte Person war offensichtlich in der
Lage, die Gedanken des Hypnotiseurs zu lesen und
seine Aufforderungen auszuführen, noch bevor
sie der Hypnotiseur überhaupt ausgesprochen
hatte. Mesmer selbst führte "Hypnose auf
Distanz" durch, wobei - so stellte Mesmer es
selbst dar - die hypnotisierte Person auf die Gedanken
des Hypnotiseurs reagierte, obwohl die beiden außer
Reichweite der herkömmlichen sensorischen Kommunikation
waren. Hypnotisierte sollen außerdem in der
Lage gewesen sein, ferne Ereignisse wahrzunehmen,
wenn sie vom Hypnotiseur entsprechende Anweisungen
erhielten.
Bevor wir uns dem Problem der Beweisbarkeit solcher
Behauptungen zuwenden, müssen wir uns die Frage
stellen, wie man überhaupt zu der Annahme kommt,
dass Hypnose ASW begünstigt. Könnte etwa
die Lärmreduktion bez. Die Hinwendung auf innere
Vorgänge dafür verantwortlich sein?
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Bevor wir uns dem Problem der Beweisbarkeit
solcher Behauptungen zuwenden, müssen wir uns die Frage
stellen, wie man überhaupt zu der Annahme kommt, dass
Hypnose ASW begünstigt. Könnte etwa die Lärmreduktion
bez. Die Hinwendung auf innere Vorgänge dafür
verantwortlich sein?
Die Hypnose stellt uns vor ein großes Problem: sie
konnte bisher nicht wirklich objektiv nachgewiesen werden,
wenngleich jüngste Experimente zeigten, dass es deutliche
Unterschiede zwischen der Hirntätigkeiten von Hypnotisierten
und der von Personen gibt, die angewiesen wurden, so zu
tun als wären sie hypnotisiert. Das Gehirn scheint
sich in Hypnose ähnlich zu verhalten wie im Schlaf.
Hier liegt allerdings noch einiges an Forschungsarbeit vor,
bevor man mit Sicherheit sagen kann, dass es sich bei dem
>>hypnotischen Zustand<< um einen speziellen,
veränderten Geisteszustand handelt. Manche Psychologen
behaupten, das viele der mit >>hypnotischer Trance<<
einhergehenden Phänomenen auch bei Personen auftreten,
die lediglich so tun, als wären sie hypnotisiert. Ob
das allerdings ausreicht, um gegen Schmerzen unempfindlich
zu sein
?
Glücklicherweise gibt es einige Merkmale, die charakteristisch
für hypnotisierte Personen sind, wenngleich sie nicht
allein bei Hypnose vorkommen; diese Merkmale können
uns den Zusammenhang zwischen Hypnose und der Lärmreduktionstheorie
verständlicher machen. Das Wesendliche an der Hypnose
ist die Kombination aus Entspannung und verringerter Aufmerksamkeit
für äußere Einflüsse - mit Ausnahme
der Stimme des Hypnotiseurs.
Diese deutlich reduzierte Empfänglichkeit für
herkömmliche Sinneseindrücke scheint typisch für
den hypnotischen Zustand zu sein; somit liegt auch die Annahme
nahe, dass Hypnose der ASW förderlich sein müsste.
Gibt es Hinweise, die dies bestätigen?
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Auswertung der Ergebnisse
Wenden wir uns zunächst der Kategorie von Experimenten
zu, die auf der Verbindung von Hypnose und dem Raten
der ASW-Karten beruhen. Eine Übersicht stammt
von Charles Honorton, wobei Rex Stanford für
eine detaillierte Auswertung sorgte.
Es waren 24 Untersuchungen darunter, bei denen die
Ergebnisse von hypnotisierten und nicht hypnotisierten
Versuchspersonen miteinander verglichen wurden. Von
diesen 24 Experimenten wurden in nicht weniger als
14 Fällen signifikante Hinweise auf ASW im Hypnosezustand
erbracht. Hingegen wurde ein solches Ergebnis von
den 24 im normalen Wachzustand durchgeführten
Tests nur einmal erzielt. Im direkten Vergleich wurden
in zwölf Fällen ein signifikant besseres
Ergebnis erreicht, wenn Hypnose angewendet wurde,
jedoch wurde bei keinem einzigen Experiment im Wachzustand
ein signifikant besseres Ergebnis erzielt - ein deutlicher
Beleg dafür, dass der hypnotische Zustand ASW
begünstigt.
Ein anderes interessantes Phänomen dabei ist,
dass manche hypnotisierte Personen offensichtlich
in der Lage sind, genau anzugeben, wann sie richtig
geraten haben.
Aus einigen Studien geht hervor, dass unter Hypnose
eine solche Gewissheit, wann Treffer erzielt wurden,
häufiger auftritt als im normalen Wachzustand.
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Eine weitere Methode, ASW-Tests unter
Hypnose durchzuführen, besteht im Bilderraten, vergleichbar
mit dem Traum- bzw. Ganzfeldexperimenten. Honorton gibt
einen Überblick über zehn derartige Tests, von
denen in sieben Fällen ASW wirksam zu sein schein.
Honorton stellte fest, dass jene Testpersonen, deren Empfänglichkeit
für Hypnose am größten war, auch die höchsten
Trefferraten aufwiesen. Ein anderes Merkmal der erfolgreichen
Testpersonen war, dass ihre Aufmerksamkeit eher nach innen
als nach außen gerichtet schien. Genau das war aufgrund
der Lärmreduktionstheorie auch zu erwarten. Die Resultate
der Karten- sowie der Bilderratetests weisen somit in ein-
und dieselbe Richtung.
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ASW und Hypnose: Die Forschung in
der ehemaligen Sowjetunion
Schließlich wollen wir uns noch dem Werk des Russen
Leonid L. Wassiliew widmen. Wenngleich die russische Parapsychologie
- auch nach den großen Umwälzungen der letzten
Jahre - für westliche Wissenschaftler mehr oder weniger
ein Buch mit sieben Siegeln ist, so wissen wir doch, dass
sich die Russen immer schon sehr für Hypnose und ASW
interessiert haben. Schon 1929 gründete man die Experimentelle
Kommission für Hypnotismus und Psychophysik, um - selbstverständlich
mit Billigung höchster Stellen - im Bereich ASW und
Hypnose zu forschen. Im Jahr 1928 besuchte Wassiliew parapsychologische
Institute in Frankreich und Deutschland, und 1932 erhielt
das Sowjetische Institut für Hirnforschung den Auftrag,
eine "experimentelle Untersuchung der Telepathie"
zu unternehmen - mit Wassiliew als Leiter des Projekts.
Besonders interessant und Wassiliews Berichten zufolge äußerst
erfolgreich waren Versuche, Testpersonen aus der Ferne zu
hypnotisieren. Bei diesen Untersuchungen wurden Personen
mit hoher Empfänglichkeit für Hypnose aus einer
Entfernung von über 1500 Kilometern in hypnotische
Trance versetzt bzw. in manchen Fällen wieder aufgeweckt.
Die Zeiten, zu denen hypnotische Anweisungen gegeben wurden,
waren zufällig gewählt. Mitunter wurden auch Kontrollexperimente
mit nicht hypnotisierten Personen durchgeführt. Leider
gab es bei diesen Experimenten einige schwerwiegende Mängel.
Obwohl nämlich die Zeit zwischen der Anweisung und
deren Effekt auf die Versuchsperson mit der Stoppuhr gemessen
wurde, sind rund 40% der eingetragenen Zeiten lediglich
in Minuten angegeben - also keine allzu große Genauigkeit.
Was die Experimente mit hypnotischer Schlafinduktion betrifft,
so schliefen schließlich alle Versuchspersonen ein
- egal ob hypnotisiert oder nicht. Wassiliews Resultate
zeigten, dass einige ganz einfach rascher einschliefen als
andere. Genauere Aufzeichnungen wären nötig gewesen,
um dies als Beleg für ASW ansehen zu können. Außerdem
hätte die Zuteilung der Versuchspersonen in die Hypnose-
bzw. Nicht-Hypnose-Gruppe rein zufällig erfolgen sollen
bzw. hätte man sie in beide Kategorien gleich oft testen
müssen. Dazu braucht man sich nur folgendes vorzustellen:
Was wäre, wenn jene Testpersonen, die ohnehin sehr
leicht einschlafen, der Hypnosegruppe zugeteilt wurden,
während jene, die eher dazu neigen, lange wach zu bleiben,
in die andere Kategorie kamen? Die Personen der Hypnosegruppe
würden natürlich rascher einschlafen - aber was
hätte das mit Fernhypnose zu tun? All diese Gründe
sprechen eher dagegen, daß Wassiliews Arbeit uns wirklich
brauchbare Ergebnisse beschert haben könnte. Es wurden
leider nach seinem Tod im Jahr 1966 von seinen Schülern
kaum Forschungsaktivitäten unternommen, um seine Ergebnisse
zu bestätigen. Zwar erfreut sich die russische Parapsychologie
immer noch der Unterstützung höchster Stellen,
doch es gelangen kaum wirklich gut dokumentierte Berichte
in die Hände von westlichen Wissenschaftlern. Den Berichten,
die vorgelegt werden, fehlen zumeist wichtige Angaben über
Testbedingungen und Auswertungskriterien. Das Interesse
der Russen an Psi und Hypnose trat - eher unerwartet - bei
den Schachweltmeisterschaften im Jahr 1978 deutlich zutage;
damals behauptete der Exilrusse Viktor Kortschnoi, der im
Finale gegen den Russen Anatoli Karpow antrat, daß
ein Mann aus Karpows Gefolge, der mysteriöse Dr. Zoukhar,
ihn aus der Ferne zu hypnotisieren versuchte. Bill Hartston,
immerhin British International Master im Schach, und Carl
Sargent, sprachen mit Kortschnoi und Michael Stean, seinem
Assistenten in jenem Match; Hartston diskutierte die Sache
außerdem mit Boris Spassky, einem Exilrussen, der
auf dem Weg zu den Finalkämpfen 1978 von Kortschnoi
besiegt worden war. Aus diesen Gesprächen ging hervor,
daß russische Schachmeister in der Regel mit Hypnose
und ASW umzugehen lernen.
Ob es sich dabei nur um Maßnahmen zur Motivationssteigerung
handelt, ist schwer zu sagen; jedenfalls ist es nicht wahrscheinlich,
daß sich Schachgroßmeister für Psi-Experimente
zur Verfügung stellen. Am wichtigsten aber bleiben
für uns konkrete Daten. Die Ergebnisse von Hypnose-Experimenten
lassen klare Auswirkungen auf die ASW-Leistung erkennen.
Honorton, der alle veröffentlichten Berichte eingehend
überprüfte, zog folgendes Resümee: "Ich
glaube, es führt heute kein Weg mehr an der Schlussfolgerung
vorbei, daß hypnotische Induktionsverfahren ASW fördern."
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Karpow gegen Kortschnoi: Ein
Psychoduell? Viktor Kortschnoi behauptete, daß
sich im Lager von Karpow ein Telepathie-Experte befand,
der während des Matches seine, Kortschnois, Konzentration
zu stören versuchte. Paranoide Phantasie oder
wissen-schaftliche Realität?
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Entspannung - Der Schlüssel
zur ASW?
Die Entspannung des Körpers ist ein wesentlicher
Faktor beim Vorgang der Lärmreduktion.. Im entspannten
Körper ist die willentlich gesteuerte Muskeltätigkeit
sehr gering, und diese verbleibende Aktivität
lässt sich zuverlässig mit dem Elektromyographen
(EMG) messen. Angesichts der großen Bedeutung
der Entspannung, die noch dazu problemlos gemessen
werden kann, mag es verwundern, daß systematische
Untersuchungen zur Entspannung und Psi erst in jüngster
Zeit eingeleitet wurden.
Im Fall der Traum-ASW-Forschung musste die Parapsychologie
auf Kleitmans Entdeckung der REM-Phasen warten, ehe
das Maimonides-Team sich kurz darauf an die Arbeit
machte. Hingegen war Jacobsons klassisches Werk Progressive
Relaxation schon etwa 35 Jahre alt, bevor William
und Lendell Braud es in den Dienst der Parapsychologie
stellten. Die Frage war, ob das messbare physiologische
Phänomen der Entspannung eine - positive oder
negative - Auswirkung auf die ASW- Testleitung haben
würde.
Im Jahre 1969 begannen die Brauds mit Experimenten,
bei denen sie sich einer modifizierten Form von Jacobsons
Technik zur Tiefenentspannung bedienten. Ihre erste
Versuchsperson, ein 26jähriger Hochschullehrer,wurde
nun angewiesen, zunächst seinen Körper zu
entspan-
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nen, indem er die Muskeln abwechselnd
an- und entspannte; danach sollte er sich geistig entspannen
- und zwar, indem er sich einerseits auf angenehme Bilder
konzentrierte (z. B. friedliche Landschaften) und andererseits
versuchte, seinen Geist soweit wie möglich passiv und
leer werden zu lassen. Währenddessen wählte ein
Sender in einem etwa 20 Meter entfernten Raum nach einem
Zufallsverfahren ein Zielbild aus etwa 150 postkartengroßen
Bildern aus. Dieser Sender versuchte, einzelne Details an
den Empfänger zu übermitteln - und zwar Formen,
Farben, ja sogar Geschmäcker und Gerüche, die
in dem Zielbild vorkamen oder dadurch assoziiert wurden.
Jeden Tag wurde ein neues Zielbild für die Sitzung
ausgewählt. Die Sitzung wurde damit beendet, daß
der Lehrer seine Eindrücke während des entspannten
Zustandes niederschrieb. Nach sechs Sitzungen wurden diese
Berichte sowie die sechs Zielbilder einem unabhängigen
Gutachter ordnete jedem Bericht das richtige Bild zu. Die
Wahrscheinlichkeit, daß Zufall dafür verantwortlich
war, beträgt 1 zu über 700.
Natürlich kann uns das Ergebnis einer einzelnen Person
noch keine Aufschlüsse über den Zusammenhang zwischen
Entspannung und ASW im Allgemeinen geben. Solche Aufschlüsse
erhofften sich die Brauds von der einer Serie von sieben
Experimenten, bei dem 22 Versuchspersonen -einzeln und in
Gruppen - getestet wurden. Bei einer Zufallserwartung von
50% wurde bei diesen Tests eine Erfolgsquote von 86% erzielt,
wobei aber in einigen Fällen auch die Qualität
der Übereinstimmung erstaunlich war. Bei einer Testsitzung
sah der Empfänger beispielsweise ganz deutlich ein
Glas Coca-Cola. Das Zielobjekt war eine Coca-Cola-Reklame!
Bei manchen Telepathie-Experimenten waren Sender und Empfänger
rund 2000 Kilometer voneinander entfernt; auch diese Tests
verliefen, so wie die übrigen, durchaus erfolgreich.
Betrachtet man alle Ergebnisse dieser zweijährigen
Versuchsreihe in ihrer Gesamtheit, so ergibt sich eine Antizufallswahrscheinlichkeit
von 1 zu 1000.
In späteren Experimenten stellten die Brauds direkte
Vergleiche zwischen Versuchspersonen an, die in Tiefenentspannung
agierten und solchen, die vor dem ASW-Test Übungen
zur Muskelanspannung durchgeführt hatten. Die Unterschiede
in der Muskelaktivität wurden mittels EMG gemessen,
und wiederum zeigte sich, daß im entspannten Zustand
bessere Ergebnisse erzielt werden konnte. Rex Stanford und
andere Forscher konnten diese Experimente wiederholen, wodurch
die von den Brauds erzielten Ergebnisse bestätigt wurden.
Interessanterweise konnten solche eindrucksvollen Resultate
in späteren Experimenten nicht mehr erreicht werden.
Ein Grund dafür mag gewesen sein, daß die Entspannung
nicht exakt genug gemessen wurde. Vielleicht lag es auch
daran, daß ein allgemeiner Standard für den Grad
der Entspannung fehlte. Bliebe schließlich ein letzter
Punkt: Die Bedeutung der Entspannung ist mittlerweile in
der Parapsychologie allgemein anerkannt. Es werden deshalb
in fast allen ASW-Experimenten - egal welcher Art - Entspannungstechniken
angewendet. Bei den Tests. Die sich ausschließlich
mit den Auswirkungen der Entspannung beschäftigen,
ist es deshalb schwierig, in denen keinerlei Elemente der
Entspannung wirksam sind. Der einzige Ausweg ist eine genaue
EMG-Messung. Trotz dieser Probleme lässt sich sagen,
daß mit den Ergebnissen der Braud-Experimente und
späterer Wiederholungen die Theorie von der Lärmreduktion
eine Bestätigung erfahren hat.
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Meditation und ASW
Immer wieder in der Geschichte haben Menschen, die
- in welcher Form auch immer - Meditation praktizieren,
darauf hingewiesen, daß während dieses
Zustandes der Meditation die Kräfte des Geistes
verstärkt würden. In Indien gab es immer
Yogis, die behaupteten, sie könnten bestimmte
körperliche Prozesse wie Atem- und Herztätigkeit
willentlich steuern.
Auch von Psi-Effekten wurde in diesem Zusammenhang
immer wieder berichtet, wenngleich diese als eher
unerwünschter Nebeneffekt, keineswegs jedoch
als das eigentliche Ziel der Meditation angesehen
wurden. Es war stets ein Merkmal von Mystikern und
Propheten vieler Kulturen, daß sie ihre "Wahrheiten"
in besonderen Bewusstseinszuständen verkündeten.
Solche Zustände werden in der Regel durch gewisse
rituelle Handlungen herbeigeführt, wie etwa die
physischen und spirituellen Übungen der Yogis,
gewisse Tänze und Gesänge, Fasten usw. Für
uns stellt sich die Frage, ob solche Bewusssteinsveränder-
ungen ASW fördern können. Wir wollen dazu
kurz den Bereich der Parapsychologie verlassen und
uns ansehen, was über die bereits angesprochene
Fähigkeit, körperliche Prozesse zu beeinflussen,
berichtet wird..
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Ein indischer Fakir auf seinem
Nagelbrett. Wenn die Nerven-
Enden Schmerzsignale auslösen, lässt das
Gehirn sie jeden-
Falls nicht ins Bewusstsein dringen. Die Haut des
Fakirs
weist keinerlei Spuren von Verletzungen auf.
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Bestimmt haben viele schon einmal eines
jener berüchtigten Bilder gesehen, auf denen ein Schüler
der so genannten Transzendentalen Meditation (TM) mit gekreuzten
Beinen bei einer angeblichen Levitation zu sehen ist. So
etwas dürfte eher erheitern wirken.
Doch neben solchen Kuriositäten gibt es seriöse
Untersuchungen, die die Annahme nahe legen, daß zumindest
manche Meditierende in der Lage sind, körperliche Prozesse
nennenswert zu beeinflussen. Ein Forscher, der den indischen
Yogi Swami Rama studierte, berichtete, daß der Yogi
es fertig brachte, sein Herz zum Stillstand zu bringen,
und diesen Zustand so lange durchhielt, daß einer
der anwesenden Ärzte vor Schreck fast einen Herzanfall
erlitten hätte. Es gibt auch Personen, die - Berichten
zufolge - in der Lage sein sollen, mittels Transzendentaler
Meditation die Herz- und Atemfrequenz stark senken zu können.
Solche Phänomene sind mittlerweile sehr gut belegt,
und mittels Biofeedback-Techniken kann man selbst lernen,
manche von ihnen hervorzubringen. Im Jahr 1969 berichtete
die Zeitschrift Science, daß der Mensch sogar lernen
kann, die Impulsrate einer einzelnen Zelle in seinem Rückenmark
zu beeinflussen. ASW-Experimente, bei denen vergleichsweise
mit und ohne Meditation gearbeitet wurde, haben bisher noch
keine schlüssigen Ergebnisse erbracht.
Und wenngleich ASW auch oft in Verbindung mit Meditation
aufzutreten scheint, so hat der Meditierende doch kaum Kontrolle
darüber. Dies lässt sich am besten anhand von
Beispielen erläutern.
John Palmer führte ein Ganzfeld-ASW-Experiment mit
20 TM-Praktikern durch, die als Empfänger fungierten.
Es zeigte sich nun, daß die Erfolgsquote, die von
vier unabhängigen Gutachtern ermittelt wurde, deutlich
über der Zufallserwartung lag. Doch als die TM-Personen
selbst ihren Bericht den Bildern zuordneten, erzielten sie
Ergebnisse weit unter der Zufallserwartung. Es ist schon
sehr seltsam, daß zwar vier Gutachter ASW feststellten,
doch die TM-Testpersonen nichts davon bemerken konnten.
Bei einem PK-Experiment, das Charles Honorton mit einem
TM-Lehrer durchführte, zeigte sich, daß, gleichgültig
ob ein Ergebnis über oder unter der Zufallserwartung
erzielt werden sollte, die Versuchsperson immer darüber
lag.
Nach der Meditation hingegen gelang plötzlich beides
nach Wunsch. Um das Ganze noch undurchschaubarer zu machen,
lag das Ergebnis deutlich unter der Zufallserwartung, als
das EEG einen Zustand tiefer Meditation anzeigte. Wiederum
wird deutlich: ASW ist wohl vorhanden, doch die Schwankungen
sind unerklärlich groß. Auch andere Tests, beispielsweise
jene, die Ramakrishna Rao in Indien durchführte, erbrachten
keine wirklich schlüssigen Ergebnisse. Was bleibt,
ist vorderhand die Feststellung, daß der Zustand der
Meditation immer wieder ASW-Effekte mit sich zu bringen
scheint.
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Progressive Entspannung
Auszug aus den Tonbandanweisungen von W. und
L. Braud, die auf Jacobsons
Methode der Tiefenentspannung beruhen.
"Spannen Sie zunächst die Muskeln
in Ihren Beinen an, halten Sie diese Spannung
so lange der Countdown von 10 bis 0 dauert.
Fühlen Sie, wie unbequem diese Spannung
ist. Spannen sie nun die Muskeln an
10, 9,8
3, 2, 1, 0. Jetzt entspannen.
Entspannen Sie Ihre Muskeln völlig, atmen
Sie aus, und fühlen Sie, wie sehr die
Entspannung Sie erleichtert. Entspannen Sie
alle Ihre Muskeln und fühlen Sie, wie
wohltuend das ist. Spannen Sie jetzt Ihre
Bauchmuskeln voll an, bis sie hart und fest
sind
10, 9, 8
3, 2, 1, 0. Und
nun wieder entspannen, entspannen Sie diese
Muskeln, fühlen Sie, wie wohl das tut,
lassen Sie Ihren Körper in tiefe Entspannung
sinken, nur noch entspannen
Wir beginnen jetzt mit der geistigen Entspannung.
Halten Sie den Kopf gerade und drehen Sie
Ihre Augen nach oben, bis Sie die Anstrengung
spüren
blinzeln Sie nicht
Ihre Augenlider werden müde und schwer
atmen Sie tief ein, langsam ausatmen, fühlen
Sie, wie Ihre Augen mit jeder Sekunde schwerer
werden, müde und schwer
jetzt schließen
Sie die Augen. Fühlen Sie wieder, wie
wohltuend die Entspannung wirkt, entspannen
Sie Ihre Augenmuskeln, entspannen Sie. Lösen
Sie alle Anspannungen, lösen Sie allen
Druck. Es tut wohl, so entspannt zu sein.
Lärm und Geräusche werden Sie nicht
mehr stören, sondern auch dazu beitragen,
daß Sie sich noch mehr entspannen.
Entspannen Sie jetzt Ihren Geist, keine geistige
Anstrengung mehr
stellen Sie sich etwas
Angenehmes, Natürliches vor, eine Landschaft,
ein Bild, das Sie lieben, erfreuen Sie sich
daran, ohne jede Anstrengung, das Bild kommt
Ihnen ganz einfach in den Sinn. Sie sehen
sich selbst, wie Sie sich entspannen. Mit
jedem Atemzug stellen Sie sich vor, daß
die Entspannung immer größer wird
Entspannen Sie sich jetzt vollkommen, entspannen
Sie sich voll und ganz. Lösen Sie Ihren
Geist von allen Sorgen und Anspannungen. Das
alles hat jetzt keinen Einfluss. Einfach entspannen.
Denken Sie an einen weißen Kreis, und
kein Gedanke wird Sie mehr ablenken. Ihr Geist
ist ruhig und klar
"
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Buddhistische Mönche
im Gebet. Im Leben eines Mönches wird Meditation
täglich Praktiziert. Da der Buddhismus als Ziel
das Verschmelzen mit dem Einen hat, wird ASW-Effekten
kaum Bedeutung beigemessen.
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Kann man ASW lernen?
Veränderte Bewusstseinszustände scheinen
es möglich zu machen, daß ASW-Signale aus
dem übrigen "Lärm" herausgefiltert
werden können. Dabei ist eine Frage besonders
interessant: Kann man lernen, solche Signale zu erkennen
und wahrzunehmen, um dadurch besser mit ASW umgehen
zu können? Es gibt durchaus Hinweise in diese
Richtung, die in Experimenten im normalen Wachzustand
gewonnen wurden.
Im Jahr 1976 erregte Charles Tart von der University
of California, Los Angeles, großes Aufsehen
mit der Veröffentlichung eines Buches, in dem
er seine Methode des ASW-Trainings beschrieb. Diese
Methode beruhte auf den Lerntheorien der Psychologie,
denenzufolge eine bessere Lernleistung durch regelmäßiges
Feedback gewährleistet wird. Dementsprechend
erhielt die Versuchsperson durch eine Maschine sofortige
Information darüber, ob sie richtig geraten hat
oder nicht. Wenn nur ASW eine Art Fähigkeit ist
(worüber sich streiten lässt), dann sollte
es möglich sein, sie mittels Feedback-Techniken
zu trainieren.
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Tarts Schlussfolgerung aus diesem
Experimenten: ASW kann trainiert werden.
Tarts Arbeit steht damit in direktem Gegensatz zur vorherrschenden
Meinung innerhalb der Parapsychologie; schließlich
hat sich immer wieder gezeigt, daß selbst "Psi-Stars"
wie Stepanek ihre Fähigkeiten zumindest teilweise wieder
verloren. Tart argumentiert jedoch, daß die ASW-Fähigkeit
nicht aus sich heraus abnimmt, sondern daß äußere
Einflüsse, Langeweile usw. dafür verantwortlich
seien. Tarts Experiment wurde aus technischen Gründen
heftig kritisiert. Wir wollen diese Debatten hier nicht
wiedergeben, und Tart selbst meinte dazu, daß wir
heute wohl schon einen bedeutenden Schritt weiter wären,
wenn seine Kritiker nur ein Zehntel ihrer Energie dafür
verwendet hätten, seine Experimente zu wiederholen.
Seltsamerweise haben sich nur sehr wenige der Experimente
mit veränderten Bewusstseins-zuständen mit der
Frage des Erlernens von ASW beschäftigt. Genauer betrachtet
ist das keine Überraschung. Wenn man bedenkt, daß
eine Ganzfeldsitzung über zwei Stunden dauern kann
und ein Raumexperiment ohnehin eine ganze Nacht dauert,
dann versteht man, daß es allein aus Zeitgründen
schwierig ist, auch noch den ASW-Trainingseffekt zu studieren.
Die besten ASW-Untersuchnungen mit veränderten Bewusstseinszuständen,
die sich dieser Frage annahmen, wurden von Professor Robert
Morris und Dr. Deborah Delanoy von der Universität
Edinburgh durchgeführt. Auch hier konnte jedoch kein
signifikanter Lerneffekt festgestellt werden.
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Andere Theorien über veränderte
Bewusstseinszustände
Die Erforschung von veränderten Bewusstseinszuständen
hat der Parapsychologie zu wichtigen Einblicken in die Wirkungsweise
von Psi-Phänomenen verholfen. Das aussagekräftigste
Beweismaterial stammt von Honortons vorbildlichen Auto-Ganzfeld-Experimenten.
Bei derartigen Tests wurden konstant Ergebnisse erzielt,
die deutlich über der Zufallserwartung lagen.
Die Bedingungen, unter denen Traum- und Ganzfeldexperimente
stattfinden, sind jenen Bedingungen nachempfunden, in denen
spontane ASW-Erlebnisse am häufigsten aufzutreten scheinen
- in Momenten des Tagträumens und der tiefen Entspannung.
Solche Experimente erscheinen uns ganz einfach aussagekräftiger
als beispielsweise Kartenratetests. Historisch gesehen haben
auch Kartentests einiges beigetragen, doch zweifellos haben
andere Methoden deutlicherer Effekte hervorgebracht.
Die Behauptung, daß die Parapsychologie eine Wissenschaft
mit vielen angeblichen Fakten aber keinen Theorien sei,
ist angesichts der Experimente mit Ganzfeld- und Entspannungstechniken
wohl nicht mehr haltbar. Diese Techniken beruhen auf einem
klaren theoretischen Modell, das überprüfbare
Vorhersagen für künftige Experimente liefern kann.
Für das Lärmreduktionsmodell etwa spricht vor
allem, daß es funktioniert.
Das soll nicht heißen, daß es nicht noch genug
zu lernen gäbe. Wir müssen vor allem den Begriff
"Lärm" klarer eingrenzen. Rex Stanford hat
einiges in dieser Richtung geleistet. John Palmer wiederum,
der ebenfalls eine ganze Reihe von Ganzfeldstudien unternommen
hat, geht von einem komplexeren Zusammenhang zwischen ASW
und "Lärm" aus als Honorton. Palmer ist der
Ansicht, daß veränderte Bewusstseins-zustände
- egal ob durch Ganzfeld, Hypnose oder andere Mittel hervorgerufen
- dazu neigen, ein Ereignis zu produzieren, das weit von
der Zufallserwartung entfernt ist. Was beeinflusst wird,
ist die Größe des Effektes. Die Richtung des
Effektes - ob über oder unter der Zufallserwartung
- wird von anderen Faktoren bestimmt. Diese Unterscheidung
ist in Honortons Modell nicht explizit enthalten; hier wird
also von der Annohme ausgegangen, daß veränderte
Bewusstseinszustände die Tendenz haben, positive ASW-Ergebnisse
hervorzubringen. Palmers Modell hat zwei Schwächen.
Die erste liegt darin, daß so gut wie alle signifizierten
ASW-Ergebnisse, die im Zusammenhang mit veränderten
Bewusstseinszuständen erzielt wurden, über der
Zufallserwartung lagen und nicht darunter. Wenngleich Palmers
Modell grundsätzlich mit diesem Ergebnis vereinbar
ist, so hat es doch den Nachteil, daß es einen solchen
Ausgang nicht vorhersagen hätte können,
Honortons Modell hingegen sehr wohl.
Die zweite Schwäche an Palmers Modell besteht darin,
daß nicht daraus hervorgeht, welche Faktoren die Richtung
des ASW-Effektes bestimmen. Die Persönlichkeit mag
eine dieser Faktoren sein, da Extravertierte bei ASW-Tests
in Verbindung mit veränderten Bewusstseinszuständen
stets deutlich höhere Trefferraten erzielen als Introvertierte.
Palmers Modell scheint vor allem sozialen Faktoren, also
der Atmosphäre, in der ein Experiment vor sich geht,
entscheidende Bedeutung beizumessen. Honortons Modell trifft
keine spezifischen Vorhersagen bezüglich solcher Faktoren.
Wenn sie tatsächlich eine wichtige Rolle spiele sollten,
müssen erst geeignete Wege gefunden werden, diese Faktoren
zu messen.
Es gibt jedoch einen ganz bestimmten Punkt, der- vergleicht
man die beiden Modelle - für Palmers Theorie zu sprechen
scheint. Honortons Modell geht davon aus, daß es ein
positives Verhältnis geben müsste zwischen der
ASW-Leistung in z. B. einem Ganzfeldexperiment und dem Bericht
einer Person darüber, wie erfolgreich die Ganzfeldtechnik
bei der Veränderung des Bewusstseins war. Testpersonen,
die die größten Veränderungen erlebten,
sollten die besten ASW-Ergebnisse erzielen, und zwar sollten
auf diese Weise stets Ergebnisse über der Zufallserwartung
zustande kommen. Palmer sieht das anders. Sein Modell geht
davon aus, daß dies dann - und nur dann - so sein
würde, wenn das Gesamtergebnis der im Experiment getesteten
Gruppe positiv ist. Wird insgesamt gesehen ein negatives
ASW-Ergebnis erzielt, dann müsste auch das Verhältnis
von ASW-Erfolg und Grad der Bewusstseinsveränderung
negativ sein. Doch welchen Grund sollte es dafür geben?
Palmer meint, dies sei deshalb zu erwarten, weil die Personen,
bei denen die deutlichste Bewusstseinsveränderung einsetzt,
auch am sensibelsten auf die soziale Atmosphäre reagieren
müssten; das wiederum müsste sich einem deutlich
positiven ASW-Erlebnis niederschlagen, falls die Atmosphäre
angenehm ist bzw. in einem deutlich negatives Erlebnis,
falls die Atmosphäre unangenehm, formell oder gespannt
ist. Für Honorton müssten Personen, bei denen
sich eine starke Bewusstseinsveränderung vollzieht,
deutlich über der Zufallserwartung abschneiden, für
Palmer müssten sie lediglich deutliche Ergebnisse erzielen
- über oder unter der Zufallserwartung - wobei die
Richtung von anderen Faktoren bestimmt wird.
In diesem Punkt sprechen alle uns vorliegenden Daten für
Palmer Theorie. Wenn das Gesamtergebnis einer Testgruppe
über der Zufallserwartung liegt, dann besteht ein positives
Verhältnis zwischen ASW-Leistung und Grad der Veränderung.
Liegt aber das Gesamtergebnis unter der Zufallserwartung
- was selten vorkommt -, dann ist dieses Verhältnis
negativ. In beiden Fällen sind die Personen mit der
stärksten Veränderungen des Bewusstseinszustandes
am weitesten von der Zufallserwartung entfernt und weisen
somit den stärksten ASW-Effekt aus. Wir können
daraus schließen, das Stärke und Richtung des
ASW-Effektes abhängig sind von der Veränderung
des Bewusstseinszustandes, der Persönlichkeit sowie
der Testatmosphäre. Aus all den Experimenten mit veränderten
Bewusstseinszuständen geht jedoch hervor, daß
die soziale Atmosphäre - sofern sie nicht hochgradig
unangenehm ist - keinen allzu großen Einfluss auf
die Testergebnisse haben dürfte.
Unser komplexes Modell der drei Faktoren Lärmreduktion,
Persönlichkeit und soziales Umfeld scheint sich im
Großen und Ganzen zu bewähren. Manchmal allerdings
können wir auch ASW-Effekte beobachten, die so klar
sind, daß sie keinerlei komplexer Untersuchung bedürfen.
Es gibt eben ganz einfach Fälle, wo eine Testperson
offenbar in der Lage ist, ein Bild zu sehen, als wäre
es vor ihren Augen, wie dies bei Blakes Bild Der Alte der
Tage geschehen ist.
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