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Wie konnte Gott das Böse dann
überhaupt je zulassen?
Unserer Freiheit zuliebe! Das Böse
ist notwendig an das Geschenk der Freiheit geknüpft.
Gott hat den Menschen frei geschaffen. In der Abwägung
zwischen der Zulassung des Bösen und er Gabe der Freiheit
hat er sich für die Freiheit entschieden. Ohne die
Möglichkeit der freien Wahl zum Guten oder Bösen
gibt es keine Freiheit. Das heißt: Gott schätzt
die Freiheit höher als all unsere Sünden. Tiere
sind nie böse - sie sind aber auch nie frei. Mit der
Freiheit hat Gott uns über die Tiere erhoben.
Nach dem Glauben der Christen ist Gott eine Person. Sind
das Böse und der Teufel auch Personen?
Der Schweizer Theologe Karl Barth
sagte, der Dämon ist eine unpersönlicher Person.
Denn was ist eine Person? Es ist ein Wesen mit einer spirituellen
Natur, mit Intelligenz und Willen, in der die Intelligenz
die Wahrheit sucht und der Wille das Gute. Der Dämon
hat Intelligenz und Willen, doch sein Wille sucht das Böse
und seine Intelligenz das Unwahre. In diesem Sinn sagt Karl
Barth, der Teufel sei eine persönliche Nichtperson,
er nennt sie "das Nichtige".
Hat er ein Gesicht?
Professor Pedro Barrajón: Nein.
Aber Gott kann zulassen, dass Engel wie Dämonen physische
Erscheinungsweisen annehmen. So können Engel den Menschen
erscheinen, um ihnen Botschaften zu überbringen. Und
so kann Gott auch zulassen, dass Dämonen physische
Qualitäten annehmen und in der Weise von Menschen oder
Tieren erscheinen - das betrifft aber nicht ihr Wesen. Sie
können diese Formen nur annehmen. Sie haben sie nicht.
Haben sie Geruch?
Von einigen Heiligen wird berichtet,
dass sie Teufel riechen konnten - wie die große Teresa
von Avila. Der Satan stank für sie.
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Gibt es objektive Kriterien zur Erkenntnis,
dass ein Dämon von jemanden Besitz ergriffen hat?
Der neue Ritus des Exorzismus fasst
die Kriterien für den Fall der Besessenheit sehr klar
zusammen. Das Deutlichste ist für mich als Priester
die tiefe Aversion** gegen heilige Objekte, wie das Kreuz,
der Rosenkranz oder Kreuzzeichen. Auch die Aversion gegen
das Wort Gottes, bei deren Lektüre solche Personen
ganz nervös werden. Weniger wichtige Kennzeichen sind
übernatürliche Fähigkeiten, die diese Person
plötzlich entwickeln können. Dass sie Fremdsprachen
sprechen, die sie nie gelernt haben. Dass sie sogar levitieren***:
das sie schweben und Schwerkraft überwinden können.
Manchmal werden sie unerklärlich stark und gewalttätig.
Es ist jedoch nicht so einfach, Fälle von Besessenheit
genau zu bestimmen. Ich lade die Person immer zuerst ein,
einen Nervenarzt oder Psychiater aufzusuchen, bevor ich
mich weiter mit ihrem Fall befassen will. Wenn ich von diesen
Fachleuten den Hinweis bekomme, dass sie nicht weiterwissen,
kann ich mit einer spirituellen Behandlung beginnen. Groß
lässt sich sagen, dass unter zehn Personen, die um
einen Exorzismus nachfragen, ein Fall wirklich Besessenheit
dabei ist.
Paul Badde: Gibt es Gründe für Besessenheit?
Wir kennen sie nicht. Wir können
auch nicht sagen, warum ein Mensch Krebs bekommt und der
andere nicht. Wir haben auch keine Erklärung dafür.
Wir wissen nur, dass Gottes Macht und Liebe größer
ist - bei unseren physischen wie spirituellen Krankheiten.
So muss die Besessenheit gesehen werden.
Wie verläuft ein Exorzismus?
Die Kirche verlangt von dem Priester,
der eine solche "Austreibung" durchführt,
zuerst de moralische Gewissheit, dass es sich um Besessenheit
handelt. Absolute Sicherheit gibt es ja nicht. Darum ist
es für einen Exorzisten höchst bedeutsam, dass
er ein Mann des Gebets und des Fasten ist.
Paul Badde: Und dann?
Der Exorzismus ist ein großes
offizielles Gebet, in der die Kraft der Kirche gegenwärtig
ist, Das ist der Kern. Manchmal wird Weihwasser dazu benötigt
oder Weihrauch, und immer ein Kruzifix in den Händen
des Priesters. Mehrere Personen sollen außer dem Priester
dabeisein für den Fall, das der Besessene gewalttätig
wird. Die Menschen verändern sich nämlich in der
Teufelsaustreibung. Sie bleiben dabei nicht mehr die gleichen.
In diesem Ritus gibt sich der Dämon zu erkennen angesichts
der Gegenwart Gottes und mehrerer Menschen, die gemeinsam
beten. Oft wird er gewalttätig, weil er weiß,
dass er in gewisser Weise schon überwunden ist. Die
Stimme eines Besessenen ändert sich dabei normalerweise
und wird sehr unangenehm.
Auch erschreckend?
Überhaupt nicht. Mir tut in solchen
Momenten immer nur der Mensch leid, der besessen ist. Denn
er leidet - und du siehst, dass er leidet. Doch zur gleichen
Zeit bist du froh, weil du weißt, dass der Exorzismus
ihn von dieser Pein befreien wird. Jeder Exorzismus beginnt
mit einer Aufrufung des dreifaltigen Gottes: Des Vaters,
des Sohnes und des Heiligen Geistes. Daran schließt
sich eine Lektüre von Abschnitten aus der Bibel an,
bevor eine Art Dialog zwischen dem Exorzisten und der besessenen
Person beginnt, worin der Exorzist nach dem Namen des Dämons
fragt. Das ist immer ein schwieriger Moment. Das Böse
will sich nie offenbaren. Oft lügt er.
Warum will er seinen Namen nicht preisgeben?
Der Name enthüllt sein Wesen.
Franz Rosenzweig sagte einmal, der Name sei nicht "Schall
und Rauch", sondern "Wort und Feuer". Der
Name Jesus bedeutet "Gott rettet". Isaak, Jakob,
all diese Namen haben eine besondere Bedeutung. Und immer
enthüllt er das Wesen der Person. Wenn ich meinen Namen
nenne, sagte ich auch: Ich bin hier. Kein Dämon will
jemals seinen Namen nennen.
Und wenn er ihn genannt hat?
Am Ende sagt der Priester zu dem Dämon:
Geh weg! Verschwinde! Meistens antwortet der Dämon
zuerst: Nein. Ich will nicht, Er Rebelliert und revoltiert.
Manchmal sagt er: Du hast keine Macht über mich. Nach
und nach lässt sein Widerstand nach. Meistens geschieht
dies nach Anrufungen der Gottesmutter, die dafür sehr
wichtig ist. Kein Dämon wagt jemals, sie in einem Exorzismus
zu beleidigen. Nie.
Hat er vor Maria mehr Respekt als vor Gott selbst?
Offensichtlich. Sonst werden alle
beleidigt: die Priester, alle, die zugegen sind, die Bischöfe,
der Papst, sogar Jesus Christus, doch nie die Jungfrau Maria.
Es ist ein Mysterium.
Und dann?
Nun, ein Exorzismus kann bis zu einer
Stunde dauern - und schließt mit Gebeten ab. Es empfiehlt
sich, ihn nicht zu lange dauern zu lassen, weil dieser Kampf
für alle Anwesenden sehr schwer und anstrengend ist
- auch für die Person selbst. Nach dem Exorzismus fühlen
alle eine große Erleichterung, als könnten sie
neu atmen. Doch in vielen Fällen wird auch ein neuer
Exorzisten notwendig. Ich kenn Fälle, bei denen Personen
erst nach mehreren Exorzismen völlig frei wurden und
ein neues Leben beginnen konnten. Oft sagen sie, dass es
für sie wie eine Neu-Geburt sei.
Nun gibt es auch soviel Böses in der Welt. Sehen
Sie sich all die Kriege an, all die Massaker, die Tyrannen
und Mörder. Ist es da nicht eigenartig, dass der Teufel
auch noch mit einzelnen armen Menschen sein Spiel treibt
und sich ihrer bemächtigt? Hat er nichts Besseres zu
tun: Schlimmeres? Ist er nicht schon beschäftigt genug?
Das ist wirklich ein Geheimnis. Fälle
von Besessenheit scheinen mir wie die böse Kehrseite
ebenfalls unerklärlicher Wunder, die wir auch beobachten
können. Der Teufel ist überall gegenwärtig,
wo Böses innerhalb der normalen Naturgesetze geschieht.
In jedem, der sagt, ich akzeptiere die Liebe nicht, die
Liebe zu meinen Brüdern und Schwestern, die Liebe zu
Gott. Also an sehr vielen Orten, in allen Massakern, in
jedem Mord, in physischen Katastrophen, in jedem Konzen-trationslager,
in jedem Bösen. Manchmal manifestiert**** er sich merkwürdigerweise
aber auch in Fällen von Besessenheit. Sehr viel gefährlicher
ist er aber, wo er sich nicht zu erkennen gibt und nicht
mit einem Exorzismus vertreiben lässt.
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