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Grace (Nicole Kidman), in elegantem
Tweed, lebt mit zwei lichtkranken Kindern auf einem
viktorianischen Anwesen lebend und ist seit dem Zweiten
Weltkrieg ohne Mann. Die perfekte Allegorie einer
überforderten, zwanghaft besorgten Mutter. Das
Drama der alleinerziehenden Frau. Wenn da nicht Dinge
in diesem Hause wären, die den Schrecken und
die rigorose Routine ihres unsinnlichen Alltags rechtfertigen
würden. Nicole Kidman erinnert mit ihrer kühlen,
blonden Eleganz an alte Bilder der Kelly, jedoch ohne
deren mondänen Glamour zu versprühen - und
so wandelt sie vielmehr freudlos in einer Welt voller
abgetönter Schatten wie deren calvinistisches
Negativ.
Streng gläubig, lehrt Grace die Kinder täglich
aus der Bibel und verbietet jederlei Spukgeschichten
und jeden mythischen Nährboden für Übersinnliches.
Doch wie der kleine Sohn einmal spitzfindig bemerkt,
ist auch die Bibel nicht ohne fiktive Momente. Warum
sollte denn hier alles geglaubt werden? Mit drei schon
leicht angestaubten, neuen Bediensteten hält
in dem alten, düsteren Haus das Knarren der Dielen,
das Lachen ohne Lacher und das selbsttätige Öffnen
von verschlossenen Türen Einzug. Religiöser
Glauben und Mythos - als das, was immer war und niemals
ist - unterscheiden sich eben nur durch einen Hauch
mehr an Rationalität und Distanz. Gerade die
unreflektierte Macht der Bilder über das Bewußtsein
ist es aber, die Grace so sehr fürchtet wie Freud
das Unbewußte. Wo ES war soll ein taghelles
ICH werden. Weg also mit dem mythischen Ahnenkult,
der Lebendes und Totes verbindet und sich in einer
Allsympathie zur gesamten Natur fühlt. 'Sie muß
noch viel lernen', seufzt Miss Mills, die neue alte
Haushälterin in der Mitte des Films.
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Dunkelheit ist das beherrschende ästhetische
Prinzip in 'The Others'; inhaltlich von der Lichtkrankheit
der Kinder motiviert. Tür um Tür muß
verschlossen werden, damit kein Lichtstrahl an das empfindliche
Auge der Kleinen dringt. Grace ist wie ein Gefängniswärter
mit schwerem, gußeisernen Schlüsselbund in
einem finsteren Labyrinth aus Tausenden feindlicher
Türen, die ständig den Tod bringen könnten.
Ein wenig Licht oder ein Ehemann hätten in diesem
Niemandsland der Zwangsneurose sicherlich das Schlimmste
verhindert. Doch da ist bereits schon alles zu spät.
Ein raffiniertes Ende wird zeigen, wie sehr auch die
Zeit in diesem Film eine andere ist.
Im Laufe der Geschichte taucht noch ein unheimliches
Buch der schlafendenToten auf, die rebellische Tochter
wiederholt ein ums andere Mal stoisch 'und es passierte
doch', ein unsichtbarer Junge wird 'gesehen' und der
zartfühlige Sohn wimmert deswegen vor Angst. Die
Bediensteten sind mit einiger Sicherheit wiedergängerische
Verstorbene, die das Haus zurückwollen und allmählich
darüber die Contenance verlieren. Dafür legen
sie beim Countdown sogar ihre vermoosten Gräber
frei, während der Mitternachtsnebel ein übriges
tut. Bis die finale Wendung dann eine erhebliche Überraschung
für fast alle bringt - sie wird sicherlich noch
längere Zeit erinnert werden. |
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| © Stefanie Maeck - Filmtext.com |