Der Poltergeist von Rosenheim - Der Fall Annemarie Schneider
 
Auf einen Schlag änderte sich die öffentliche Meinung über Poltergeister, als 1967 ein Rechtsanwaltsbüro im bayrischen Rosenheim der Schauplatz eines Poltergeist-Phänomens wurde. Betroffen war das Büro des Rechtsanwalt Adam in der Königstraße.

Alles nahm seinen Anfang im Sommer 1967. Mitarbeiter meldeten sonderbare Störungen im Telefon. Anrufe unter der Nummer 1233, die in das Büro der Kanzlei führte, wurden durch Klicken unterbrochen oder die Verbindung wurde getrennt. Manchmal kam es sogar vor daß trotz einer toten Leitung alle 4 Apparate gleichzeitig klingelten. Als die Störrungen so häufig auftraten daß es fast nicht mehr erträglich war, forderte der Bürovorsteher J. Engelhard den Wartungsdienst der Firma Siemens an. Mehrere Wochen lang arbeiteten die Techniker in dem Büro. Kabel und Geräte wurden mehrfach überprüft, doch konnten keine fehler oder Defekte entdeckt werden. Auch nachdem alle Geräte zur Sicherheit ausgetauscht wurden, hörten die Störrungen nicht auf. Die Post wurde zur Hilfe gerufen.

Am 5. Oktober ersetzte die Post daraufhin alle Siemensgeräte durch offizielle Geräte der Post. Damit alle Anrufe, während sie gemacht wurden, abgelesen werden konnten, installierte man zusätzlich ein Meßgerät.
 
Um eine offizielle Rechnung erstellen zu können, stand in der Telefonzentrale ein ähnliches Gerät zur Verfügung. Am selben Tag bereits musste man feststellen daß das Gerät, obwohl niemand im Büro telefoniert hatte, einen Anruf verzeichnete. Das selbe geschah am 9. Oktober, als Adam gerade mit Dr. Schmidt, einem Steuerberater, zusammen saß. Es erfolgte wie schon 4 Tage zuvor eine Aufzeichnung, obwohl niemand ein Telefonat geführt hatte. Dr. Schmidt sandte der Post daraufhin sogar seine Zeugenaussage.

 
Adam musste daraufhin feststellen, als er seinen Zählerstand und die Notizen seiner Angestellten, mit denen der Post verglich, daß mittlerweile dutzende von nichtgewählten Anrufen registriert worden waren. Besonders eigenartig dabei war daß die Post bestätigte daß alle ausgehenden Anrufe auf normalem Wege zustanden kamen und alle samt an die Zeitansage gingen. Es kam zum Streit zwischen Adam und der Post. Da nie jemand allein im Büro gewesen war, konnte es überhaupt nicht möglich sein daß irgendwer unbemerkt so viele Anrufe tätigen konnte.42 Anrufe wurden allein am 20. Oktober zwischen 7:42 Uhr und 7:57 Uhr registriert. Das wäre laut Rechnung überhaupt nicht möglich gewesen. Teilweise erfolgen innerhalb einer Minute bis zu 6 Anrufen.

Daraufhin wurden die Apparate am 31. Oktober 1967 nochmals ausgetauscht. Die Geräte besaßen nun ein Schloss an der Wählscheibe und nur Adam war im Besitz der Schlüssel. Ohne Erfolg. Adam reichte daraufhin eine Anzeige wegen Täuschung oder Unterschlagung gegen Unbekannt ein. In 5 Wochen wurde die 0119 - die Nummer der Zeitansage - immerhin 500 - 600 mal gewählt.

 
Doch nicht nur die Sachen mit dem Telefon waren unerklärlich. Bereits am 20. Oktober krachte es und die Bürolampen erloschen. Als der Elektriker die Lampen untersuchte wurde festgestellt daß sich jede der Neonröhren um 90 Grad gedreht und dadurch die Kontakte unterbrochen hatten. Noch während er die Röhren austauschte kam es erneut zu einem Krachen. Noch mehr verwundert war Herr Bauer, der Elektriker der Firma Stern, darüber, was die Angestellten ihm erzählten. Im Büro sprangen gelegentlich sämtliche Sicherungen von selbt heraus, ohne ersichtlichen Grund, Daraufhin wurde das Stromnetz, sowie alle elektrischen Geräte, überprüft. Ohne Feststellung eines Fehlers. Bauer stand vor einem Rätsel und äußerte vor Adam daß dies an Hexerei grenze.

 
Das Elektrizitätswerk wurde zur Hilfe herangezogen. Paul Brunner kam daraufhin am 15. November in Adams Büro und teilte ihm mit, daß er zwar überhaupt kein Interesse am Okkulten hätte, die Herausforderung auf wissenschaftlicher Ebene jedoch voller Neugier annehme. Sein offizieller Bericht, den er daraufhin erstellte, sollte jedoch eines der wichtigsten Dokumente in der paranormalen Forschung werden.

Das Phänomen, in der Rosenheimer Anwaltskanzlei, eskalierte in den folgenden Wochen förmlich. Nach allen Überprüfungen konnten Fehler in den Geräten oder sonstige Kurz-schlüsse, vollkommen ausgeschlossen werden. Meßgeräte, welche Spannungsschwan-kungen im Magenetfeld aufzeichneten, wurden instaliert. Versiegelt, um Manipulationen zu verhindern. In den darauffolgenden Wochen waren mehrere Abweichungen. Das besondere daran war, daß diese nur zu den Arbeitszeiten und niemals an den Wochen-enden statt fanden.

 
Nachdem im Laufe von 2 Tagen sämtliche Neonröhren zu Bodel fielen und zerbrachen, tauschte man diese durch Glühbirnen aus. Doch diese begannen nach und nach zu explodieren. Aus dem Fotokopierer, der zwar angesteckt, aber nicht eingeschaltet war, liefen Chemikalien aus. Noch immer wurde die Fehlerquelle im Stromnetz gesucht. Noach vielen Tagen an denen Tests und Überprüfungen statt fanden, wurde letzendlich das gesamte Rosenheimer Versorgungsnetz geprüft. Alles wurde als einwandfrei befunden.

Am 27. Oktober 1967 verletzte Glas, welches von einer explodierenden Glühbirne stammte, ein Mädchen im Büro. Allen Birnen wurden daraufhin mit Nylon verhangen um weitere Unfälle zu vermeiden. Am selben Nachmittag platzen noch 4 weitere Birnen. Das Brunner es mit einem richtigen Problem zu tun hatte, merkte er zwischen 17 und 18 Uhr, als die Lampen zu schwingen begannen. Daraufhin versuchte man auch diesem Phänomen auf den Grund zu gehen. Es wurde herumgesprungen, nach elektrostatischer Aufladung gesucht und der Verkehr draussen beobachtet, ohne Ergebnisse.

 
Um 8:45 Uhr des 11. Dezember, saßen Brunner und Mayr, dessen Assistent, im Büro der Sekretärinnen und diskutierten. Plötzlich drehte sich ein Bild um den Haken. Brunner streckte daraufhin überrascht die Hand aus um das Bild wieder gerade zu hängen. Andere Bilder im Zimmer begannen sich ebenfalls zu drehen oder fielen auf den Boden. Während die Sekretärinnen vor Angst wie gelähmt an ihren Plätzen saßen, standen Brunner und Mayr auf um das neue Phänomen zu beobachten.
 
Das erste Bild bewegte sich um etwa 320 Grad und wickelte dabei die Schnur um den Haken. Brunner war sich nun bewusst daß er mit den Phänomenen überfordert war. Alle Test wurden sofort beendet und ein Abschlussbericht erstellt.

Die Existenz einer Energie, die der Technik bislang unbekannt war, anzunehmen, wurde nun eine Notwendigkeit. Aber weder die Stärke oder Richtung, noch deren Wesen, konnte definiert werden. die Energie liegt jenseits unseres Verständnisses. Dr. Kager vom Max-Planck-Institut und Dr. Zicha der Uni München, führten unabhängige Unterschuchungen durch. Anhand ihrer Ergebnisse mussten sie davon ausgehen, daß direkt Spannung auf die Geräte ausgeübt werden musste. Es wäre eine Art unsichtbare Kraft die auf die Geräte einwirkte. Diese könnte selbst-verständlich auf die winzigen Federn innerhalb des Telefons wirken und so das Wählen auslö-sen. Allerdings kannten sie keine bekannte Physik für solch eine Energie. Sie waren
 
jedoch davon überzeugt daß es sich um eine intelligente Kraft handle, da sie sich auf die Zeitansage konzentrierte und nicht wahllos irgend-welche Nummern anwählte. Außerdem entzog sich die Energie den Untersuchungen. Nachdem sie ihren Bericht geschrieben hatten, verließen auch sie Adams Büro.

 
Es folgten daraufhin noch so einige Wissenschaftler die dem Phänomen auf den Grund spüren wollten. So auch Professor Hans Bender. Er fing an Indizien zu sammeln. Außerdem gaben Dr. Kager und Dr. Zicha ihm wichtige Hinweise die seinen Verdacht verstärkten. Die wichtigsten Hinweise bezogen sich auf den Gedanken daß ein rationales Wesen hinter all den Vorkomnissen stünde und die Feststellung daß die Phänomene lediglich zu den Bürozeiten auftraten. Der Verdacht auf einen Poltergeist erhärtete sich. Daraufhin beschränkten sich alle weiteren Unterschungen auf die Angestellten.

 
Nachdem die paranormalen Ereignisse im Büro anhielten, war das Arbeiten im Büro immer schwieriger. Neben Wissenschaftlern interessierte sich auch die Presse für den Fall und die Mitarbeiter standen immer mehr unter Druck. Sie waren nervös oder fühlten sich extremst beobachetet. Als angespannteste fiel allerdings die 18-jährige Annemarie Schneider auf. Nicht nur daß sie am schreckhaftesten war, auch die Meßgeräte zeichneten ab 7:30 Uhr Ergebnisse auf. 7:30 Uhr war Annemarie Schneiders Arbeitsbeginn.

Einer von Benders Mitarbeitern bemerkte eines Tages zufällig daß eine Lampe seltsam zu schwingen anfing als Annemarie darunter entlang ging. Daraufhin regte man, da alle Mitarbeiter ziemlicht mitgenommen waren, an daß jeder von ihnen ein paar Tage Urlaub nehmen sollte. Annemarie ging als erste - und das Büro war friedlich und zeigte keine abnormalen Aktivitäten.

Nachdem sich die Phänomene, nach Annemaries Erscheinen, wieder einspielten, war der Fall so gut wie klar. Nach den Weihnachtsferien kehrte Ruhe in die Büroräume ein. Aber nur bis zum 9. Januar als Annemarie aus
 
ihrem Urlaub zurück kam. Die Phänomene schienen immer schlimmer zu werden und Annemarie dazu immer unruhiger und schreckhafter. So zum Beispiel rückte ein 180 Kg schwerer Eichenschran wie von Geisterhand 30 cm von seinem gewöhnlichen Standort.

 
Annemarie wurde am 18. Januar gekündigt. Mit ihr verschwanden auch die Phänomene. Was jedoch blieb waren Kosten in Höhe von 15.000 DM, die der unglückliche Rechtsanwalt Adam zu begleichen hatte.

Auslöser für die Phänomene im Falle Annemarie Schneider wurden durch Stress begünstigt. Dies bestätigte das Freiburger Institut, welches Annemarie genauer untersuchte. In ihrer Persönlichkeit spielten Stress und Enttäuschungen eine große Rolle. John Mischo, ein Kollege Benders, unterzog Annemarie einem ausgedehnten psychologischen Test. Danach war Annemarie instabil, reizbar und litt an frustrierter Wut. Ablehnung konnte sich keinesfalls ertragen und war höchst Agressiv. Jedoch hatte sie gute Fähigkeiten diese Eigenschaften gekonnt zu überspielen. All ihre Enttäuschungen entluden sich bei ihr per Psychokinise und lösten so all die Phänomene aus, mit denen das Büro Adam zu kämpfen hatte.