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Laut einer Legende war zur Zeit des Mittelalters
ein Finanzverwalter, namens Schenkewald, ein gnadenloser
Pachteintreiber, der seiner Arbeit streng und unbarmherzig
nachging. Wörter und Beudeutungen wie Nachsicht oder
Mitgefühl kannte er nicht. In der gesamten Region war
Schenkewald verhasst und hatte nur wenig Freunde. Selbst
lange Zeit nach seinem Tod wurde er nachträglich noch
immer mancherorts gehasst und aufgrund seiner Unbarmherzigkeit
derbe verflucht.
Nach Schenkewalds Tod kamen lediglich die reichen und vermögenden
Gutsbesitzer zur Beerdigung um sein Ableben zu betrauern.
Als die Nachricht vom Tode Schenkwalds jedoch die armen
Bauersleute erreichte, brachen diese in lauten Jubel aus
und gaben ein rauschendes Fest. Doch schon wenige Tage nach
der Beerdigung wurde einigen von ihnen klar dass sie sich
wohl zu früh gefreut hatten. Denn in den Strassen und
Gassen raunte man unter vorgehaltener Hand, dass Schenkewalds
Seele keine Ruhe gefunden habe und laut einigen Aussagen
dessen Geist im Schloss umhergehe.
Die Gerüchte über seine ruhelose Seele häuften
sich. Einige Beobachter bestätigten die Sichtung Schenkewalds
Geist, wie er im Schloss an einem Tisch sitzend über
seine Verwaltungsarbeiten saß. Allerdings waren die
Schlossbewohner dem Spuk und Schenkewalds Gespenst überdrüssig
und beteten zu Gott, dass dieser sie von Schenkewalds Geist
befreie. Auch den Bauern der näheren Region war der
Geist des Verwalters nicht geheuer, so daß auch diese
begannen zu Gott zu beten. Laut Erzählungen sollen
diese dann auch erhört worden sein.
Eines Nachts hielt vor dem Schloss eine luxeriöse Kutsche,
mit vier prächtigen Rappen, vor dem Schloss. Aus ihr
heraus stiegen zwei Kapuzinermönche. Als ihre Füsse
den Boden berührten, verdunkelten dunkle Wolken das,
durch den Vollmond in seichtes Licht gehauchte Land. Schweigend
sollen sie in das Schloss getreten sein und den Geist Schenkewalds
ergriffen haben. Wortlos führten sie ihn hinaus in
die Kutsche, die dann auch sogleich mit lautem Tosen abefahren
ist.
Nacht für Nacht war es nun still im Schlosse und Schenkewalds
Geist wurde nie mehr gesichtet. Doch wenn nun Nachts der
Vollmond am Himmel strahlt, und dunkle Wolken vor ihm herziehen,
wollen auch heute noch einige Einwohner, aus der näheren
Umgebung, eine prächtige Kutsche, mit schnaubenden
schwarzen Rappen, umherfahren sehen.
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