Geist von Schloss Nordkirchen
 
Fürstbischof Friedrich Christian von Plettenberg-Lenhausen und Wilhelm Ferdinand, Graf von Plettenberg, errichteten in der Zeit von 1703 bis 1734 Schloss Nordkirchen, anstelle eines Wasserturmes der seit dem 16. Jahrhundert an diesem Ort seinen Platz fand. Die aus Backstein und mit Sandsteinsteinelementen gegliederte Fassaden sind ein typisches Zeichen der Barockarchitektur Westfalens und folt somit Niederländischen Vorbildern, wie zum Beispiel Het Loo in der Nähe von Apeldoorn. Dennoch entstand ein Schloss das für des Architekten Johann Conrad Schlaun üblich war.

Das Schloss selbst ist von zwei Wassergraben umgeben und steht somit auf einer rechteckigen Insel die von einer breiten Gräfte umgeben ist. Hier findet sich auch ein begehbarer Damm um den einer der beiden Gräben fliest. Vier kleine Pavillonbauten betonen die Ecken der Insel. Das Hauptgebäude, welches den Mittelpunkt des Schlosses darstellt, umschliesst den Ehrenhof U-förmig aufgrund seiner niedrigen Flügelbauten, die unter anderem die Schlosskapelle enthalten.
 
Der gesamte Baukomplex stellt dank seiner symmetrie und Form ein beeindruckends Beispiel einer komplett erhaltenen Barockanlage dar. Heute wohnen und studieren auf Schloss Nordkirchen im Kreis Coesfeld die Studenten, die für den gehobenen Dienst der Finanzverwaltung des Landes ausgebildet werden. Teile des Gebäudes, wie auch der Park, sind für Besucher freigegeben. Die Schlosskapelle kann sogar für Trauungen gebucht werden.

 
Laut einer Legende war zur Zeit des Mittelalters ein Finanzverwalter, namens Schenkewald, ein gnadenloser Pachteintreiber, der seiner Arbeit streng und unbarmherzig nachging. Wörter und Beudeutungen wie Nachsicht oder Mitgefühl kannte er nicht. In der gesamten Region war Schenkewald verhasst und hatte nur wenig Freunde. Selbst lange Zeit nach seinem Tod wurde er nachträglich noch immer mancherorts gehasst und aufgrund seiner Unbarmherzigkeit derbe verflucht.

Nach Schenkewalds Tod kamen lediglich die reichen und vermögenden Gutsbesitzer zur Beerdigung um sein Ableben zu betrauern. Als die Nachricht vom Tode Schenkwalds jedoch die armen Bauersleute erreichte, brachen diese in lauten Jubel aus und gaben ein rauschendes Fest. Doch schon wenige Tage nach der Beerdigung wurde einigen von ihnen klar dass sie sich wohl zu früh gefreut hatten. Denn in den Strassen und Gassen raunte man unter vorgehaltener Hand, dass Schenkewalds Seele keine Ruhe gefunden habe und laut einigen Aussagen dessen Geist im Schloss umhergehe.

Die Gerüchte über seine ruhelose Seele häuften sich. Einige Beobachter bestätigten die Sichtung Schenkewalds Geist, wie er im Schloss an einem Tisch sitzend über seine Verwaltungsarbeiten saß. Allerdings waren die Schlossbewohner dem Spuk und Schenkewalds Gespenst überdrüssig und beteten zu Gott, dass dieser sie von Schenkewalds Geist befreie. Auch den Bauern der näheren Region war der Geist des Verwalters nicht geheuer, so daß auch diese begannen zu Gott zu beten. Laut Erzählungen sollen diese dann auch erhört worden sein.

Eines Nachts hielt vor dem Schloss eine luxeriöse Kutsche, mit vier prächtigen Rappen, vor dem Schloss. Aus ihr heraus stiegen zwei Kapuzinermönche. Als ihre Füsse den Boden berührten, verdunkelten dunkle Wolken das, durch den Vollmond in seichtes Licht gehauchte Land. Schweigend sollen sie in das Schloss getreten sein und den Geist Schenkewalds ergriffen haben. Wortlos führten sie ihn hinaus in die Kutsche, die dann auch sogleich mit lautem Tosen abefahren ist.

Nacht für Nacht war es nun still im Schlosse und Schenkewalds Geist wurde nie mehr gesichtet. Doch wenn nun Nachts der Vollmond am Himmel strahlt, und dunkle Wolken vor ihm herziehen, wollen auch heute noch einige Einwohner, aus der näheren Umgebung, eine prächtige Kutsche, mit schnaubenden schwarzen Rappen, umherfahren sehen.