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Der Spiesshof am Heuberg 5/7 weist
mit seinem Flügel aus der Renaissance eines der
schönsten Bauwerke jener Epoche in Basel auf.
Es ist eben jene Partie des herrschaftlichen Hauses
seit langem als Spukstätte gilt. Der Name "Spiesshof"
erscheint erstmals für eine Liegenschaft an dieser
Stelle im 13.Jh als "Huss zuom Spiess",
und hängt wohl mit Burchard von Spietz, dem Kellermeister
und Kantor des Klosters St.Leonhard zusammen. Fünf
einzelne Liegenschaften wuchsen mit den Jahrhunderten
zu jenem grossen Komplex zusammen den man heute als
Spiesshof kennt.
Im Jahr 1546 verkaufte der Eigentümer Hans Bockstecher
die Liegenschaft an Johann von Brügge, der als
reicher Glaubensflüchtling nach Basel kam und
rasch aufgenommen wurde. Zu seiner Zeit entstand der
prächtige Renaissanceflügel, der 1589 durch
ein drittes Stockwerk ergänzt wurde. Weiter oben
am Heuberg schliesst übrigens ein barocker Flügel
an, der 1724 entstand. Für Johann von Brügge
hätten sich nach dessen Tod wohl nicht soviele
Leute interessiert, wenn nicht durch einen petzenden
Schwiegersohn seine wahre Idendität an den Tag
gekommen wäre.
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Der Herr von Brügge war nämlich David
Joris, ein wichtiger Kopf der Täuferbewegung.
Er ist im August 1556 im Spiesshof gestorben und
zu St.Leonhard beigesetzt worden. Im Augenblick
seines Todes soll im Dach des Hauses der Blitz eingeschlagen
haben. Als drei Jahre darauf sein Doppelleben an
den Tag kam, riss man den Toten aus dem Grab um
ihn vor Gericht zu zerren und als Ketzer zu verurteilen.
Zu Lebzeiten galt er in Basel als frommer und grosszügiger
Mitbürger in dessen Haus man gerne zu Gast
war. Er hatte sich nie etwas zuschulden kommen lassen.
Man hatte vor der Öffnung seines Grabes in
Basel das Gerücht vernommen, Joris sei nach
seinem Tode einbalsamiert und heimlich nach Holland
geschafft worden, wo sein Leichnam das Objekt endloser
Verehrung sei. An seiner statt wäre zu St.Leonhard
ein toter Hund im Sarg beigesetzt worden. Als man
das Grab öffnete stellten sich die Gerüchte
lediglich als ebensolche heraus, denn der Herr von
Brügge lag noch immer so im Sarg wie man ihn
hineingelegt hatte. In der Zeit nachdem man seiner
Leiche so übel mitgespielt hatte, habe Joris
begonnen zu spuken.
Begleitet von zwei schwarzen Doggen sei er noch
im 19.Jh durch die Räume seines alten Anwesens
gewandelt. Kurioserweise habe er dabei seinen Kopf
unter dem Arm getragen, obwohl er eines natürlichen
Todes ohne Enthauptung gestorben war. Noch im 20.Jh
soll im Spiesshof zuweilen eine unerklärliche
Präsenz verspürt worden sein, die elektronische
Aufnahmegeräte störte und sich auch akkustisch
manifestierte. Im benachbarten Binningen (Kanton
Basel-Landschaft), wo Joris das Holeeschlösschen
und das Weiherschloss besass, sei sein Geist früher
auch gesehen worden.
Bei Nebel oder Sonnenschein sah man ihn auf seinem
ausgedehnten Landgut spazieren gehen. Auf den Pfaden
von Holeeholz oder vom Täuferloch pflegte er
auch posthum zu Fuss oder zu Pferd gemächlich
zum Dorf hinab zu streben. Trotz seiner Friedfertigkeit
hätten eines Tages Kapuziner den Geist von
David Joris ins Glockentürmchen des Schlosses
Binningen gebannt.
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