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Die
Bell Hexe
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Zu den grausamsten und erbarmungslosesten
Poltergeistern aller Zeiten gehört wohl die Hexe
von Bell, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Familie
Bell systematisch terrorisierte und erst nach einem
Todesfall davon abließ.
1817 wurde das Haus der Bells von einer höchst
üblen Macht heimgesucht. Wie ihre Nachbarn auch
waren John Bell und seine Familie streng gläubige
Christen mit einem Hang zum Aberglauben. Bei einer
ortsansässigen Seherin namens Kate Batt holten
sich die Bells, wie auch deren schwarzen Sklaven,
Rat. Die Bezeichnung "Hexe" für das
Unheil, das über sie kam, war nur natürlich.
Poltergeister richten zwar viel Unfug und Zerstörung
an, lassen es aber nicht zu einem Todesfall kommen.
Anders hingegen im Falle der Bell Hexe. Sie ließ
erst von der Familie ab nachdem John Bell, das Oberhaupt
der Familie, nach unnachgiebigen Grausamkeiten und
Qualen an einem Gift gestorben war.
Die Erscheinungen erstreckten sich über einen
Zeitraum von vier Jahren, von 1817 bis 1821 - kurz
nach John Bells Tod. 1828 kehrte sie scheinbar in
Erfüllung einer boshaften Drohung kurz zurück.
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In den 4 Jahren, in denen die
Bell Hexe ihr Unwesen trieb, kamen Scharen von Geisterjägern
nach Tennessee, die entschlossen waren, einen vermeintlichen
Betrug aufzudecken. Jedoch ohne Erfolg.
Die Kenntnisse des Falls beziehen sich auf verschiedene
Dokumentationen von Augenzeugenberichten oder alten
Schriften von Erlebnissen derer, die diese Phänomene
selbst erlebt hatten. Hiervon ist der Bericht eines
Sohnes von John Bell, Richard Williams Bell, die wohl
älteste und ausführlichste Quelle.
John Bell war im Besitz einer großen Baumwollplantage.
Er wurde von jedem seiner Nachbarn geachtet und, wie
auch von Freunden, gerne gemocht. Auch General Andrew
Jackson, der spätere Präsident der Vereinigten
Staaten, zählte zu seinem Freundeskreis. Er selbst
hatte die Umtriebe der Bell Hexe selbst erlebt.
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Die Familie Bell, John und seine
Frau Luce und deren neun Kinder, wohnten in einem
großen zweistöckigen Haus. Auf den Feldern,
sowie im Haus, beschäftigten die Bells schwarze
Sklaven. Soweit es zur damaligen Zeit möglich
war, führten die Kinder der Bells mit den Sklaven
einen freundlichen, sogar vertraulichen Umgang. Betsy
Bell, die damals 12 jährige Tochter, war hierbei
ein besonders aufgeschlossenes und ausgeglichenes
Mädchen.
Die Phänomene begannen in Form von Klopfgeräuschen
an den Wänden und den Fenstern des Hauses. Im
Laufe der Zeit nahm die Intensität dieses Phänomens
zu, bis sie zum Ende des Jahres das Haus fast buchstäblich
in seinen Grundfesten erschütterten. Röcheln,
Schmatzen, menschlich klingendes Schlucken, das Rasseln
schwerer Ketten über den Fußboden wechselten
sich ab mit scharrenden, nagenden und klappernden
Geräuschen. Oft klang es, als ob ein Steinregen
auf das Dach des Hauses niederprasselte.
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Das Haus der Bells vor dem
Abriss
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Die ersten Opfer, die die Macht
der Hexe zu spüren bekamen, waren die Kinder.
Richard Bell wurde so kräftig an seinen Haaren
gezogen, dass es ihn regelrecht aus dem Bett hob.
Es fühlte sich an, als wenn ihm jemand die
obere Kopfhälfte herunter- gerissen hätte.
Gleich darauf wurde von Joel ein heftiger Schrei
ausgestoßen, dem Betsy aus ihrem Zimmer folgte.
Auch wurden sie nach dem zu Bett gehen ständig
an den Haaren gezogen.
Die Familie hatte all die Strapazen bisher für
sich behalten, doch jetzt weihte John seinen Nachbarn
und guten Freund James Johnson in das Geheimnis
ein. Nachdem er die Phänomene dann selbst erlebt
hatte, kam er zu dem Schluss, dass ein Geist dahinter
stecken müsste und vollzog eine Art Exorzismus
im Hause der Bells. Danach kehrte tatsächlich
für eine Zeit Ruhe ein.
Die Hexe kam jedoch zurück. Ärgerlicher
als zuvor. Betsy wurde heftig geohrfeigt bis deren
Wangen feuerrot waren und ihre Haare wurden ihr
beinahe ausgerissen.
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Weitere Nachbarn wurden eingeweiht
und schlossen sich der Familie Bell wie James Johnshon
an. Sie wollten der gepeinigten Betsy beistehen und
ihr Gesellschaft leisten und die Hexe zum Reden bringen.
So kam es, dass Betsy auch eines Nachts im Hause von
Freunden verbrachte. Der Schrecken jedoch folgte ihr
sogar in das Haus der Gastfamilie und belästigte
Betsy in der selben Unnachgiebigkeit wie zuvor. Selbst
die Gastfamilie wurde von Übergriffen nicht verschont.
Allem Anschein nach bewirkte die Gruppe mehr Schäden
als sie Nutzen hatte. Denn auch die Familie Bell wurde
nicht in Ruhe gelassen. Doch allmählich schien
die Hexe, unter dem Drängen der Gemeinschaft,
eine Stimme zu entwickeln. Erst leise und undeutlich,
es klang eher wie leises Fiepen. Dann war schwaches
und leises Flüstern zu vernehmen, das sich immer
mehr zu einem lauten Gekrächze steigerte.
Während die anderen Phänomene erst nach
Einbruch der Dunkelheit stattfanden, wenngleich auch
in erhellten Räumen, war die Stimme aus sämtlichen
Richtungen des Hauses zu jeder Tageszeit zu vernehmen.
Wurde die Stimme lauter, wurden auch die Gewalttätigkeiten
der Hexe immer extremer. Aus Berichten heißt
es, dass die Schläge, die die Hexe verteilte,
deutlich gehört werden konnten. Es klang wie
das Klatschen einer flachen Hand und verursachte fürchterliche
Schmerzen, und jeder war von ihnen betroffen, der
im Hause anwesend war. Besonders jedoch wurden Betsy
und ihr Vater John geschlagen.
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Von Anfang an kristallisierte
sich heraus, dass die böse Macht es wohl auf
Betsy abgesehen haben musste. Seitdem die Hexe eine
Stimme entwickelte, traten bei Betsy Anfälle
von Atemnot und Ohnmacht ein. Sie lag öfters
gar eine halbe Stunde am Boden. In dieser Zeit schwieg
die Hexe. Kaum kam Betsy wieder zu sich, meldete
sich die Hexe erneut zu Wort. So kam es, dass man
vermutete, das Ganze basiere auf Bauchrednerei.
Ein Arzt untersuchte Betsy während einem ihrer
Anfälle, konnte jedoch nicht feststellen, dass
Betsy Urheberin der Geräusche war. Früher
wusste man noch nicht, dass Bauchredner ihre Worte
mit Hilfe der Kehlkopfmuskeln und des Gaumensegelns
hervorbringen. Eine Fertigkeit die viel Übung
erfordert.
Die Stimme gab sich Anfangs sehr fromm. So konnte
sie zum Beispiel die Sonntagspredigt der beiden
Gemeindepfarrer Wort für Wort rezitieren und
nahm dabei sogar deren Stimme an. Auch sang sie
wunderbar und sagte Bibelzitate auf. Im Laufe der
Zeit jedoch entwickelte sie Obszönitäten,
welche für die gläubige Familie Bell äußert
unangenehm waren.
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John Bell
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Einen besonders großen Schrecken
erfuhr die Familie, als die Stimme behauptete, sie wäre
die Hexe der alten Kate Batt. Der Seherin, bei der sich
die Familie Bell manchmal Rat geholt hatte. Auch stellte
die Hexe ihre Fähigkeiten unter Beweis in dem sie
widerliche Gerüche erzeugte. Einmal stieg die Hexe
zu einem Nachbarn ins Bett und rollte sich in dessen Bettzeug.
Der Nachbar, William Porter, sprang auf und packte sich
die Rolle, mit der Absicht sie ins Feuer zu werfen. Sie
war unglaublich schwer und roch äußert unangenehm.
Er hatte das Zimmer noch nicht einmal bis zur Hälfte
durchquert als die Rolle immer schwerer wurde und so übel
zu stinken anfing, dass er sie fallen lassen musste. Der
Gestank war das Widerlichste, das er jemals gerochen hatte
und nahm ihm regelrecht den Atem, so dass er aus dem Zimmer
lief um erst einmal frische Luft zu schnappen. Als er
in sein Zimmer zurück trat waren der Gestank sowie
die Hexe verschwunden.
Die Bell Hexe apportierte, wie andere Poltergeister auch,
Gegenstände. Bei einer Bibelstunde von Luce Bell
fielen frische Früchte von der Decke, wie aus dem
Nichts, und landeten auf dem Tisch oder in ihrem Schoß.
Zu Betsys Geburtstag soll sie einen ganz Korb voller Orangen,
Trauben, Bananen und Nüssen produziert haben, welche
sie, wie sie selbst sagte, eigenhändig aus Indien
gebracht hätte.
Dem Charakter der Hexe entsprach denn eher ein weiterer
grausamer Streich, den sie Betsy spielte. Um sie von ihrer
Pein zu befreien, hatte ihr ein Quacksalber aus der Umgebung
einen fürchterlich schmeckenden Trank zubereitet,
der sie, wie der Quacksalber warnte, sehr krank machen
würde. Betsy litt darauf tatsächlich unter Brechdurchfall.
Die Hexe lachte hämisch als sich im Stuhl und im
Erbrochenen von Betsy zahlreiche Nadeln und Nägel
befanden.
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Die Bell Hexe |
Im Laufe der Zeit ließen
die körperlichen Gewalttaten nach. Dafür
begannen nun die seelischen Qualen. Betsy war kurz
nach ihrem zehnten Geburtstag mit einem Mann, Joshua
Gardner, verlobt worden. Sie würde, laut der
Familie und den Nachbarn, hervorragend zu ihm passen.
Von dem Augenblick aber, von dem an die Hexe sprechen
konnte, spottete die Hexe über Joshua Gardner.
Oft flüsterte sie dem Mädchen dabei ins
Ohr, sie solle ihn nicht nehmen. Die Bell Hexe ging
dabei sogar soweit, dass sie im Beisein von Freunden,
beschämende Enthüllungen über die Beziehung
des jungen Paares preisgab. Sie sprach sogar Drohungen
aus indem sie meinte, Betsy würde ihres Lebens
nicht mehr froh werden, würde sie diesen Mann
heiraten. Mit Erfolg. Betsy gab schließlich
ihrem Verlobten den Ring zurück.
Die Hexe musste einen erbitterten Hass gegen John
Bell gehabt haben. Von Anfang an hatte sie geschworen,
den alten Bell bis ans Ende seiner Tage zu peinigen.
Und sie hatte Recht. John Bell wurde seines Lebens
nicht mehr froh.
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So kam es dann, dass die Familie John
Bell am 19. Dezember 1820 völlig gelähmt in seinem
Bett vorfand. Der älteste Sohn der Familie wollte die
vom Arzt verordnete Medizin aus dem Schrank holen, fand
jedoch nur eine rauchig aussehende Phiole, die etwa zu einem
Drittel mit einer dunklen Flüssigkeit gefüllt
war.
Als der Arzt endlich kam konnte er gerade noch hören
wie die Hexe feixte, dass man gar nicht mehr versuchen müsste
,dem Alten zu helfen, er würde jetzt ihr gehören
und aus diesem Bett nicht mehr aufstehen. Als man auf die
seltsame Medizin, die im Schrank stand, zu sprechen kam,
war sich keiner über dessen Herkunft bewusst. Auf unbesonnene
Art und Weise wurde sie getestet. Man tauchte einen Strohhalm
hinein und bestrich damit die Zunge der Hauskatze. Diese
sprang und hopste einige Male herum, legte sich nieder und
war auf der Stelle tot. Die Bell Hexe betonte dann voller
Stolz, dass sie selbst das Fläschchen in den Schrank
gestellt habe und in der Nacht zuvor dem alten John Bell
eine kräftige Dosis davon gegeben hatte.
Das Verhalten des Arztes war unentschuldbar. Er nahm das
Fläschchen und warf es ins Feuer. Eine Untersuchung
des angeblichen Hexengebräus war somit nicht mehr möglich.
Am nächsten Morgen lag John Bell tot in seinem Bett.
Auf seinen Tod hin reagierte die Hexe mit zotigen Liedern
bei seiner Beerdigung.
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Die Kräfte der Bell Hexe schienen
nach John Bells Tod zu verebben. Man konnte fast annehmen
sie sei froh nun endlich gehen zu können, nachdem
sie ihr Ziel erreicht hatte. Das letzte Phänomen,
das Auftrat, war, das etwas wie eine Kanonenkugel
durch den Kamin donnerte und in einer Rauchkugel zerbarst.
Dabei waren die Rufe einer klaren Stimme zu vernehmen
die sagte: "Ich gehe und werde für sieben
Jahre wegbleiben."
Und tatsächlich. 7 Jahre später kehrte die
Bell Hexe zurück. Zu diesem Zeitpunkt lebte nur
noch Mrs. Bell und 2 ihrer Söhne im Haus. Es
kam zu kratzenden Geräuschen und zaghaftem Ziehen
am Bettzeug. Doch ignorierten sie diese Erscheinungen.
Nach 14 Tagen kehrte wieder Ruhe ein und die Hexe
verschwand. Jedoch verkündete sie in 107 Jahren
zurück zu kehren.
Der Betroffene wäre Dr. Charles Bailey Bell gewesen.
Doch das Jahr 1935 kam und ging, ohne dass die Hexe
ihre Verabredung eingehalten hatte.
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Des Rätsels Lösung?
Was geschah nun tatsächlich auf der Plantage der Bells?
Sicherlich wird es im laufe der Zeit zu einigen Verzerrungen
der Ereignisse gekommen sein, aber dennoch geht Dr. Fodor
davon aus daß es sich in etwas so abgespielt haben
muss:
1849 wurde in der Saturday Evening Post veröffentlicht,
daß Betsy Bell alles nur inziniert hätte. Daraufhin
wurde von Anwälten der Familie Bell auf hohen Schadensersatz
geklagt. Mit Erfolg. Die Zeitung druckte kurz darauf ihren
Widerruf.
Betsys Ohnmachts- und Schwächanfälle, gefolgt
von Äußerungen die der Hexe zugesprochen wurden,
ähneln sehr den Symptomen bei in Trance fallenden Medien.
Laut seiner Analyse musste Betsy unter Persönlichkeitsspaltung
leiden. Hierbei entwickelte ein Teil ihres Bewusst-seins
auf rätselhafte Art und Weise ein sonderbares Eigenleben.
Diese quälten ihren Vater buchstäblich zu Tode.
Persönlichkeitsspaltung sind zumeist die Folge von
schweren traumatischen Kindheitserlebnissen. Es wird daher
vermutet daß Betsy in früher Kindheit von ihrem
Vater sexuell mißbraucht wurde. Belegen kann das jedoch
niemand.
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