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Tulpas
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"Tulpas" ist eine tibetanische
Bezeichnung. Sie bezieht sich auf Wesen, die im Geist
entstehen und dann starken Glauben und intensive Visualisierung
tatsächlich zu einer physischen Realität
werden. Es geht dabei nicht darum, dass einzelne oder
mehrere Personen durch Gerüchte und Legenden
unbewusst so beeinflusst sind, dass sich all - in
einer Art gemeinsamer Halluzination - das gleiche
Wesen vorstellen. Tulpas entstehen vielmehr bewusst
im Geist von einem oder mehreren Menschen. Es handelt
sich um sehr reale, physisch lebendige Körper,
die schließlich anfangen, ihr eigenes Leben
zu führen. Sie gewinnen an Stärke, je mehr
Menschen an ihre Existenz glauben, und normalerweise
ist es schwerer, sie wieder loszuwerden, als sie zu
erschaffen.
Eine der herausragendsten Forscherinnen auf dem Gebiet
der Tulpa-Phänomene war Alexandra David-Neel,
die 1868 in Paris geboren wurde. Sie war eine furchtlose
Abenteuerin, Schriftstellerin, Rednerin, Forscherin
und Gelehrte, die ganz Asien bereist hatte, meistens
zu Fuß.
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Auf dieser Weise hat sie alles, vom
östlichen Mystizismus über Philosophie und Techniken
der Bewusstseinsveränderung bis hin zu den Lehren von
Buddha, nicht nur studiert, sondern auch erfahren und gelebt.
Sie studierte bei indischen Mönchen, wurde in Nordafrika
zur praktizierenden Muslimin und beschäftigte sich
mit dem Koran, verbrachte vier Jahre in einer Höhle
zusammen mit einem Mönch, um die tibetische Spiritualität
kennen zu lernen, und war die erster Frau aus dem Westen,
die die tibetische Hauptstadt Lhasa betreten durfte, die
damals noch die "verbotene Stadt" Tibets war.
Ihr unstillbarer Durst nach Wissen dauerte bis zu ihrem
Tode im Jahre 1969 im Alter von 101 Jahren.
Ein Element der tibetischen Kultur interessierte Alexandra
David-Neel besonders. Es war das Phänomen des Tulpa,
die Idee, dass man eine Wesenheit durch geistige Vorstellung
auch tatsächlich als physischer Realität erschaffen
konnte. Wie mit allem, was ihre Neugier erweckte, begnügte
sie sich auch hier nicht einfach damit, Bücher über
Tulpas zu lesen und sich darüber berichten zu lassen.
Sie war fest entschlossen, sich dieses Gebiet dadurch zu
erschließen, das sie selbst eine solche Wesenheit
schuf. Sie stellte sich also im Geist die Figur eines runden,
zufriedenen kleinen Mönchs vor, wie er harmloser und
freundlicher gar nicht sein konnte. Sie begann diesen Mönch
intensiv zu visualisieren und sich ständig auf ihn
zu konzentrieren, und nach einer gewissen zeit konnte sie
tatsächlich einen kleinen Mönch wahrnehmen. Er
existierte nicht nur als geistiges Bild in ihrem Kopf, sondern
als lebendiges, greifbares Wesen außerhalb ihrer selbst
und war so real wie die übrige Welt, der er nun angehörte.
Je länger sie ihn visualisierte, desto realer und sichtbarer
wurde er. Zu ihrem Leidwesen war sie bald nicht mehr in
der Lage, ihn zu kontrollieren. Der Mönch fing schließlich
an, nach eigenem Gutdünken in Erscheinung zu treten
- egal, ob sie es wollte oder nicht. Nach wenigen Wochen
begannen Menschen in ihrer Umgebung, die nichts von ihrem
Tulpa-Experiment wussten, Fragen über den winzigen
Fremden zu stellen, der immer häufiger in ihrer Anwesenheit
auftauchte. Besorgt musste David-Neel schließlich
feststellen, dass der Wille des Mönchs, je länger
er ein unabhängiges Leben führte, immer mehr ihren
eigenen Willen zu ersetzen begann. Der kleine, runde, glückliche
Mönch entwickelte sich nach und nach zu einer schlankeren
und körperlich starke Version seiner selbst und wurde
düster, dunkel und beinahe bedrohlich. Entsetzt erkannte
David-Neel, dass der Mönch , für dessen Existenz
sie verantwortlich war, sich zu einem gefährlichen
Geschöpf entwickelte. Sie wusste, das es allein ihre
Verantwortung war, ihn wieder zu beseitigen, indem sie ihn
wieder zurück in ihren eigenen Geist nahm, aus dem
er gekommen war. Der Tulpa widersetzte sich vehement allem,
was sie tat, denn er war inzwischen so unabhängig von
ihr, dass er glaubte, ein eigenes Existenzrecht zu haben.
Ein Monat der gleichen intensiven Konzentration, die ihn
erschaffen hatte, war notwendig, um ihn ein für alle
Mal loszuwerden. Dieser Prozess schwächte sie so sehr,
dass David-Neels Gesundheit beinahe zusammen mit der kleinen
finsteren Kreatur, die sie in die Welt gesetzt hatte, zerstört
worden wäre.
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Wenn Du Schwierigkeiten hast,
dir vorzustellen, dass ein reales Geschöpf
mit bloßer Gedankenkraft erzeugt werden kann,
solltest Du dich daran erinnern, dass alles, was
Menschen auf diesem Planeten geschaffen haben, zuerst
als Gedanke existiert hat. Und wenn Du daran zweifeln
solltest, wie mächtig projizierte Gedanken
und Emotionen sein können, dann versammle ein
paar Freunde in einem Raum und bitte sie, sich gemeinsam
auf ein bestimmtes Gefühl zu konzentrieren
und es nach außen zu projizieren, sei es Wut,
Ärger, Liebe, Glück oder jede andere wohldefinierte
Emotion. Du verlässt den Raum für ein
paar Minuten, sodass sich die Gruppe für eine
Emotion entscheiden und ihre gemeinsame Energie
darauf lenken kann. Du wirst überrascht sein,
wie schnell Du die richtige Emotion errätst,
wenn Du wieder in den Raum kommst, und wie unmittelbar
Du von ihr beeinflusst wirst, sei es positiv oder
negativ. Tulpas sind ganz einfach ähnlich machtvolle,
projizierte Gedanken und Emotionen, die sich zu
einer physischen Gestalt verdichten. Je mehr Gedanken
und Emotionen und Glaubwürdigkeit in solche
Tulpas investiert werden, desto realer und lebendiger
werden sie. Sobald sie angefangen haben, ein eigenes
Leben zu führen und nicht mehr willentlich
in ihrem Erscheinen kontrolliert werden können,
existieren sie nicht länger nur in der geistigen
Vorstellung. Es ist dann nicht einfach, sie unter
Kontrolle zu halten oder wieder loszuwerden.
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| Alexandra David-Neel |
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Der Yeti oder "abscheuliche Schneemensch" des
Himalaya ist ein gutes Beispiel für einen Tulpa, erzeugt
durch Gerüchte und Legenden und dann zum Leben erweckt
durch die weit verbreitete Angst vor ihm und den unerschütterlichen
Glauben an seine Existenz. Seine großen Fußstapfen
sind im tiefen Bergschnee fotografiert worden, aber obwohl
er aus einer Entfernung unter 300 Metern gesehen worden
ist, konnte seine vollständige Gestalt niemals auf
Film gebannt werden. Die eingeborenen Sherpas des hohen
Himalayas glauben fest an die Existenz des Yeti sowie daran,
dass er nach Belieben erscheinen und verschwinden kann,
genau wie Alexandra David-Neels Mönch, der selbst entschied,
wann und wo er sich zeigte. Auch das Monster von Loch Ness
ist ein Tulpa. Alle die behaupten sie haben den Teufel in
leibhaftiger Gestalt gesehen, dass es einfach nur ihre Angst
und Negativität und Boshaftigkeit erlauben konnte,
zu so einer mächtigen Kraft in ihrem Leben zu werden,
dass daraus ein Tulpa entstand. Der anfing, sie zu terrorisieren.
Niemand anders als sie selbst ist jedoch für seine
Existenz verantwortlich.
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