Handlesen - Das Schicksal in der Hand?

Noch bis vor wenigen Jahren wurde die uralte Kunst des Handlesens von der modernen Wissenschaft belächelt. Doch nun erlebt die Chiromantie - insbesondere bei Medzinern - eine Renaissance.
   
Als der 37jährige David Brandon-Jones 1970 einen Selbstmordversuch unternahm, wusste er nicht, dass die Antwort auf seine Problematik ihm buchstäblich in die Hände geschrieben war. Damals hielt Brandon-Jones seine Depression für unheilbar. Jahrelang hatte er Antidepressiva und Schlaftabletten eingenommen, bis er eines Tages den Entschluss fasste seinem Dasein ein Ende zu machen.

Glücklicherweise misslang dieser Versuch und nur wenige Monate später erfuhr der Selbstmordkandidat von einem Homöopathen, dass seine seelischen Probleme auf einen Kaliummangel zurückzuführen waren. Er ver-schrieb seinem Patienten eine Kaliumphosphat-kur - und bereits nach wenigen Wochen fühlte sich Brandonjones wie neugeboren.
 

Kurz nach seiner unverhofften Genesung stieß Brandon-Jones auf ein Buch über Chirologie, in dem er las, dass eine Reihe von Verkettungen in der Kopflinie auf Kaliummangel hinweist. »Ich machte einen Abdruck von meiner Handfläche«, schrieb Brandon-Jones später in dem von ihm verfassten Buch "Practical Palmistry", »und verglich ihn mit der Abbildung in dem Buch "Your Life in Your Hands" von Beryl Hutchinson. Tatsächlich war meine linke Kopflinie zu einer langen Kette verschlungen, während die Kopflinie in meiner rechten Hand einige wenige >Inseln< aufwies.« Brandon-Jones beschloss die Handlesekunst zu erlernen. Als er 1986 starb, gehörte er zu den angesehensten Chirologen Großbritanniens.


 
Geheimes Wissen?

Leider wird die Chiromantie meist nur als amüsanter Zeitvertreib abgetan, obwohl sie beispielsweise bei medizinischen Diagnosen sehr wertvolle Dienste leisten könnte. Die Handlesekunst erweckt bei den meisten Menschen Assoziationen an Zigeuner in Jahrmarktsbuden und geheimnisvolle Wahrsagerinnen, die die Zukunft eines Menschen aus der Hand lesen können. Doch wer diese Kunst beherrscht, kann aus einer Hand weit mehr herauslesen als das künftige Schicksal ihres Trägers. Man unterscheidet übrigens zwischen Chirologie und Chiromantie (griechisch »cheir« für »Hand«). Die Chirologie befasst sich mit Größe, Form und äußerem Erscheinungsbild der Hand und findet darin Anhaltspunkte für bestimmte Charaktermerkmale und das persönliche Potenzial. Die Chiromantie hingegen untersucht die Linien und so genannten »Berge« der Hand und liest daraus das Schicksal eines Menschen ab.

 
Die Handlesekunst entstand vor etwa 5000 Jahren in China und verbreitete sich über ganz Asien allmählich auch bis in den Westen. Schon die Babyionier, die Chaldäer und die alten Ägypter haben sie praktiziert. Aus den Schriften des altgriechischen Philosophen Aristoteles geht hervor, dass auch er um Sinn und Bedeutung der Handlinien wusste. Sein Wsssen stammte angeblich aus einem alten Manuskript über Chirologie, das er auf einem dem Götterboten Hermes geweihten Altar gefunden hatte.

Eine weitere bekannte Persönlichkeit, die sich intensiv mit der Handlesekunst befasste, war Julius Cäsar. Wie der jüdische Historiker Josephus berichtet, konnte Cäsar einmal mittels Handliniendeutung einen Hochstapler entlarven, der sich als Alexander, der Sohn des Herodes, ausgegeben hatte: In der Hand des Betrügers feh­te der so genannte »Königskreis« ­was bewies, dass der Mann log.

Mithilfe der Handlinien sagte man sogar den genauen Zeitpunkt und die Umstände des Todes vorher. Ein Spezialist auf diesem Gebiet war der italienische Arzt und Handleser Bartolomeo della Rocca, der im 15. jahrhundert unter dem Namen Barthelemy Codes schrieb und lehrte. Der Mathematiker und Okkultist

Jerome Cardan berichtete, dass Codes eine Liste mit den Namen von 45 Männern hinterließ, denen er einen gewaltsamen Tod voraussagte. Zu Lebzeiten Cardans hatten sich zwei dieser Prophezeiungen erfüllt. Codes hatte sogar richtig vorhergesagt, dass er selbst 1504 durch einen Meuchelmörder den Tod finden würde.

Gegner der Handlesekunst finden es unverantwortlich, Schicksalsschläge wie Krankheit oder Tod vorherzusagen, weil dies bei labilen Menschen Angst und Verzweiflung auslösen könnte. Außerdem könne durch de­artige Vorhersagen das Eintreten dieser Ereignisse begüns-tigt werden. Dieser Einwand mag in einigen Fällen durchaus berechtigt sein, doch heutzutage sind die meisten Handleser verantwortungs-volle Menschen, die auf sensible Weise Rat, Orientierung und Lebenshilfe geben.

 
Werkzeug der Medizin?

Dass aus der Hand Krankheitsdispostionen abgelesen werden können, hat der Handlesekunst in medizinischen Kreisen eine gewisse Anerkennnung verschafft. Bereits um 1900 hatte der amerikanische Handforscher William Benham behauptet, dass die Handanalyse in der medizinischen Diagnose eines Tages ihren rechtmäßigen Platz finden würde. Ende der 30er­Jahre sollte sich seine Voraussage bewahrheiten. Die beiden amerikanischen Anatomen Harold Cummings und Charles Midlo bewiesen, dass zwischen abnormen Hautmerkmalen und bestimm-ten Chromosomendefekten, die geistige und körperlicheAnomalien verursachten, ein Zusammenhang besteht.

Aufgrund ihrer bahnbrechenden Untersuchungen entstand ein neuer medizinischer Forschungszweig: die Dermatoglyphen-Diagnostik. Sie analysiert den Zusammenhang zwischen Fingerabdrücken und Dermatoglyphen (leistenförmigen Vorsprüngen der Lederhaut) sowie der körperlichen und der psychischen Konstitution eines Patienten. Einer der Pioniere auf diesem Gebiet war Noel Jaquin, der 1945 in England zur Förderung der Handanalyse die "Society for the Study of Physiological Pa­terns" (SSPP) gründete. Er postulierte, dass "das Hauptziel der Chirologie darin besteht, latent vorhandenen Krankheiten vorzubeugen".
 
 
Profil Graf Louis Hamon ("Cheiro")

Der berühmte Handleser Graf Louis Hamon (rechts), besser bekannt unter seinem Pseydonym Cheiro, kam 1886 in Irland zur Welt. Als junger Mann lebte er einige Jahre in Indien und erlernte die Hastirika-Deutungstechnik von Handlinien. Später ließ er sich als Handleser in England nieder.

Cheiro hatte zahlreiche hoch gestellte und berühmte Klienten unjd vermochte mit verblüffender Genauigkeit Ereignisse und Daten vorherzusagen. Angeblich hatte er auch Oscar Wildes Hände analysiert und diesem prophezeit, dass er eines Tages für Aufruhr sorgen würde - das war mere Jahre vor dem Skandal, den Wildes Homosexualität auslöste. Dem Verleger W.T. Stead riet Cheiro, er solle im April 1912 keine Seefart unternemen. Stead ignorierte dies und ging mit der "Titanic" unter.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Cheiro in Hollywood. Er starb 1936 genau an dem Ort und zu dem Zeitpunkt, den er vorausgesagt hatte.
 
 
 
Moderne Forschung
 
In der Dermatoglyphen-Diagnostik werden in Europa und den USA bahnbrechende Erfolge erzielt. So berichtet Dr. Alexander Rodewald, dass er viele angeborene Anomalien mit einer Sicherheit von 97 Prozent anhand von Hautleistenuntersuchungen diagnostizieren kann. Zudem will er bei einem Neugeborenen mit 80­prozentiger Sicherheit voraussagen können, ob dieser als Erwachsener einmal an Krebs, Diabetes, einer Herzerkrankung, an Leukämie oder an einer Geisteskrankheit leiden wird.

Seit Jahrtausenden versuchen die Handleser die Menschen davon zu überzeugen, dass sich aus Fingerabdrücken, Handlinien und merkmalen tatsächlich ganz bestimmte Wesensmerkmale oder die Dispositionfür bestimmte Krankheiten herauslesen lassen. Doch erst heute erkennt die Schulmedizin allmählichden Wert dieser uralten Kunst.

 
Handlesen Eine Kunst

Die Handlinien bilden sich in den ersten 16 Lebenswochen aus und lassen die wichtigsten Energien und Veranlagungen erkennen, die dem Betreffenden mitgegeben wurden. Aus den Mustern lassen sich auch Aspekte von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ablesen. Ein erfahrener Handleser kann oft mit einem Blick das Schicksal eines Menschen erkennen.
 
Die Lebenslinie

Diese Handlinie liefert Informationen über die körperliche Verfassung und die Vitalität eines Menschen sowie über den Verlauf seines Lebens. Je länger und kräftiger diese Linie ist, desto mehr Energie hat der Betref-fende. Eine Unterbrechung der Lebenslinie könnte auf eine drama-tische Änderung hindeuten, etwa einen Berufswechsel oder Änliches. Die Auffassung, dass eine kurze Lebenslinie auf ein kurzes Leben hinweist, ist überholt.
 
Die Kopflinie

Die stark ausgeprägte Kopflinie weist auf einen scharfen intellekt und gute geistige Fähigkeiten hin. Bei geradem Verlauf lässt sie Selbstver-trauen, Entschlusskraft, und Ge-schäftssinn erkennen. Bei einer schwachen Linie, könnte es sich um einen vorsichtigen Menschen handeln, dem es vielleicht auch etwas am praktischem Menschenverstand fehlt. Eine dominierende Kopflinie in de Hand eines Kindes weist auf besondere intellektuelle Begabung hin.
       
Die Herzlinie

Diese Linie steht für das Gefühlsleben und lässt erkennen, wie warmherzig und selbstlos jemand ist. Menschen, bei denen sie in einem aufsteigendem Bogen verläuft, können ihre Gefühle offen und klar verständlich ausdrücken. Eine gerade verlaufende Linie lässt auf gefühlsmäßige Zurück-haltung schließen. Eine Wellenförmige verlaufende Linie deutet auf gefühls-mäßige unbeständigkeit hin. Befriedi-gende Beziehungen aufrecht zu erhalten, dürfte für den Betreffenden eher problematisch sein.
 
Die Merkurlinie

Diese Linie steht mit der Gesundheit im Zusammenhang. Ist sie nur schwach ausgeprägt oder fehlt sie vielleicht sogar ganz, deutet das im Allgemeinen auf eine gute Gesund-heit sowie eine äußert robuste Konst-itution hin. Je tiefer diese Linie ist, desto krankheitsanfälliger ist der Betreffende, besonder in späteren Lebensjahren. Eine unterbrochene oder federförmige verästelte Ge-sundheitslinie weist darauf hin, dass während des immer wieder Krank-heiten auftreten werden.
         
Die Sonnenlinie

Diese Linie, auch Apollo-Linie genannt, ist eng mit der Schicksalslinie ver-bunden und steht für pesönlichen Erfolg und Glück. Ist sie start ausgeprägt, ist der Betreffende sehr kreativ und originell veranlagt und vermutlich erfolgreich. An dieser Linie lassen sich auch Reichtum und Wohlstand ablesen, die einem ohne eigenes Zutun zufallen, etwa in Form eines Lottogewinns oder einer Erb-schaft. In Allgemeinen steht diese Linie für ein glückliches und sorgen-freies Leben.
 
Die Schicksalslinie

Sie gibt Auskunft über den beruflichen Werdegang und die Karriereaussichten. Verläuft diese Linie ununterbrochen über den Handteller, deutet dies auf eine gesicherte berufliche Laufbahn hin; der Betreffende bleibt vermutlich bis zu seiner Pensionierung ein und derselben Firma treu. Eine schwache, bruchstückhafte Schicksalslinie weist darauf hin, dass man seine Rolle in diesem Leben noch nicht gefunden hat oder dass man rastlos und Routine überdrüssig ist.