Phänomene

Anneliese Michel – Ein Alptraum hinter gutbürgerlicher Fassade

Der Fall Anneliese Michel gilt bis heute als einer der am besten dokumentierten Fälle einer Teufelsaustreibung. Der „Exorzismus von Klingenberg“ erhitzte die Gemüter und zog ein Gerichtsverfahren nach sich, das weltweit Aufsehen erregte.

Doch was steckte wirklich hinter den Ereignissen des Schreckens, die sich Mitte der Siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts im gutbürgerlichen Hause Michel abspielte?

Eine streng religiöse Erziehung

Anneliese Michel wurde am 21.09.1952 im bayrischen Leiblfing geboren. Streng katholisch erzogen, zeigte sie bereits als Kind eine auffallende Neigung zur Kränklichkeit. Ende der Sechziger Jahre litt sie erstmals unter Krampfanfällen.
Infolge einer Lungenerkrankung hatte sie Depressionen und isolierte sich zusehends.

Erste angebliche Kontakte mit den Kräften der Hölle

Im Jahre 1973 klagte Anneliese zum ersten Mal über akustische Halluzinationen. Ein Arzt diagnostizierte eine Psychose.
Ein Jahr später wurde bei einem EEG eine Hirnschädigung festgestellt, die vermutlich für die Anfälle verantwortlich war.

Vom Teufel besessen?

Bis heute ist nicht klar, ob Anneliese Michel die Medikamente, die ihr verordnet wurden, regelmäßig einnahm. Ihr Zustand besserte sich jedenfalls nicht.
Auf einer Wallfahrt schließlich brachte die Leiterin zum ersten Mal das Stichwort „Besessenheit“ ins Spiel, was vorerst nicht bestätigt wurde.

Vorstufe: Umsessenheit

Nachdem ein Jesuitenpater schließlich doch Anzeichen für eine Besessenheit zu erkennen glaubte, traf sich Anneliese regelmäßig mit dem Pfarrer Ernst Alt. Dieser stellte eine sogenannte „Umsessenheit“ fest, eine Vorstufe zur teuflischen Besessenheit.

Wiederholte Exorzismen

Im Laufe der folgenden Monate führte der Würzburger Bischof Josef Stangl mehrere Exorzismen an Anneliese in ihrem Elternhaus in Klingenberg durch.
Ihr Geisteszustand verschlechterte sich immer mehr: Sie aß Insekten, trank Urin und bekam Tobsuchtsanfälle. Eine Einweisung in eine Nervenklinik kam für ihre Familie jedoch nicht in Frage.

Annelieses Tod

Anneliese, die das Essen inzwischen verweigerte, wurde im Laufe der Exorzismen immer schwächer. Wegen mehrfacher Selbstverletzungen musste sie zeitweise ans Bett gefesselt werden. Am 01.07.1976 starb sie an Unterernährung.
Außerdem wurde eine Lungenentzündung festgestellt.

Gerichtsverfahren

Im Laufe des anschließenden Strafverfahrens wurden sowohl Annelieses Eltern als auch die beteiligten Geistlichen zu Bewährungsstrafen verurteilt, da ein rechtzeitig hinzugezogener Arzt Anneliese wahrscheinlich hätte helfen können.
Bis heute streiten Mediziner und Geistliche über die korrekte Deutung der Ereignisse von Klingenberg.

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